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Reviews: K

Review Mai 05: KAAMOS - Lucifer Rising - 2005 (10 Songs, 37:40 Minuten)

Liebe Death Metal-Freaks gebt fein acht, ich hab' euch etwas mitgebracht! So, und nun alle ins Bett! Nein, halt! Sitzen geblieben. Ich möchte euch von KAAMOS erzählen, danach dürft ihr liegen gehen. Dieser Band aus Stockholm nämlich habe ich es zu verdanken, dass meine Ohren in letzter Zeit häufiger als normal bluten, meine Nachbarn mich schon nicht mehr grüßen und die Boxen meiner Anlage so gar keinen Staub mehr ansetzen, aber dafür ständig auf den Fliesen auf Wanderschaft gehen. Denn was die vier finster dreinblickenden Herren da auf Silikon verewigt haben, ist schon verdammt großes Old School Death Metal-Kino. Das 2002 erschienene Debüt - schlicht "Kaamos" betitelt - konnte bereits viele Genre-Anhänger begeistern. Mit "Lucifer Rising" geht das Quartett ein kleines bisschen kontrollierter, nicht ganz so ungehobelt wie auf dem Vorgänger zu Werke. Aber immer noch pfeifen die Schweden gekonnt auf Stilmittel wie Keyboards oder gar cleanen Gesang. Gut so! Die auf Candlelight Records erschienene Scheibe brettert vom ersten bis zum letzten Ton. Die Growls und Shouts von Front-Tier Karl sind Old School mäßig im Keller, desöfteren tendiert er auch einfach zum geilsten asigen Gebrülle. Die rasend schnellen Riffs der beiden Gitarristen (oft auch doppelläufig) lassen den Death Metal-Freund überhaupt keine Zeit zum Luftholen. Wahnwitzige, technisch perfekte Soli lassen ein ums andere Mal die Ohren bluten. Und immer wenn man das Gefühl hat, nun verlieren sich KAAMOS jeden Moment in blinder Raserei, werden gekonnt Mosh- oder Doomparts (!) eingestreut, die auch gerne mal länger dauern. Resultierend daraus stehen die Drumsalven und Riffattacken manchmal kurz vor dem Verlust der Kontrolle, bevor dann genau zum richtigen Zeitpunkt die Bremse gezogen wird. Das erhöht den Reiz der Scheibe noch mal um Einiges und macht sie zu keiner Sekunde langweilig, auch nicht nach dem hundertsten Durchlauf. Natürlich erfinden KAAMOS hiermit das Rad nicht neu, aber man hört selten genug so geiles Old School Gewitter, das nicht irgendwie angestaubt klingt. Nein: "Lucifer Rising" dürfte jedes Death Metaller-Herz erfrischen und vor Freude hüpfen lassen. Mein Gott, wie ich diese Platte liebe! Ich hebe hier bewusst keinen Song heraus, denn das würde allen verbliebenen nicht gerecht werden. Ausfälle gibt es nämlich keine! Jeder verdammte Song killt wie die Hölle! Wer trotzdem Anspieltipps braucht, dem sei das herrlich zum Mitbrüllen geeignete "Gnosticon" und das Titelstück empfohlen. Death Metal Freaks können blind zugreifen. Für mich bislang der beste Output des Genres in diesem Jahr. KAAMOS spielen übrigens dieses Jahr auf dem Party.San Open Air. Auf den Auftritt freu' ich mich jetzt schon wie ein kleines Kind auf Zuckerwatte. Wenn die Jungs es dort nämlich schaffen, diesen geilen Old Schooligen Charme Live auch nur ansatzweise rüberzubringen, werde ich es wohl nicht überleben. Zwei Worte noch: Hammergeile Scheibe! So, ab ins Bett!

Fazit: Beängstigend gut, mitreißend, nackenbrechend und schädelspaltend. So muss Death Metal sein!  9,5 von 10 Punkten Michael Jehles

Review: KALMAH - Swampsong - 2003 (9 Songs, 43:47 Minuten)

KALMAH sind 1998 aus der bereits 1991 gegründeten Thrash Metal Band ANCESTOR hervorgegangen. KALMAH's Debüt "Swamplord" erschien 2000 und sorgte für einiges Aufsehen. Bei mir jedoch nicht, der belanglose Mix aus Thrash, Death und viel Black Metal verursachte bei mir nur ein müdes Schmunzeln. "They will return" wurde 2001 veröffentlicht und nun wird der "Swampsong" gesungen. Musikalisch ist alles beim Alten geblieben. DIMMU BORGIR und CHILDREN OF BODOM sind wohl die Haupteinflüsse der Finnen. Allerdings machen KALMAH nichts besser als die Kinder aus Helsinki. Im Gegenteil, die Keyboardmelodien gehen teilweise recht schmerzhaft auf den Keks, auf wenn die Gitarren-, Bass-, und Drumarbeit sehr ordentlich eingespielt wurde. Natürlich beherrschen Pekka Kokko (vox, guitars), Antti Kokko (guitars), Timo Lehtinen (Bass), Janne Kusmin (drums) und Pasi Hiltula (keyboard) ihre Instrumente, alles andere wäre in einem Land, in dem sogar die Elche eine Gitarre halten können, aber auch 'ne Beleidigung. Sicher ist die Produktion (Tico Tico Studio, Kemi) klar und differenziert, aber das erwarte ich schließlich auch von einem renommierten Studio. Nein: wer diese CD nicht geschenkt bekommt, sollte sein Geld lieber für die Original ausgeben. Die CD hört sich so an, wie sich dieses Review liest. Langweilig? Eben.

Fazit: Dimmu Children of Boredom. Muss man nicht haben. 5 von 10 Punkten  Uwe Harms

Review April 05: KAMELOT - The Black Halo - 2005 (14 Tracks, 58:43 Minuten)

Eine fette Überraschung legen uns KAMELOT mit ihrem neuen Werk "The Black Halo" auf den Gabentisch. Nie zuvor ging die amerikanisch/norwegische Band so vielschichtig, um nicht zu sagen "progressiv" zu Werke. Thematisch behandelt "The Black Hole" den zweiten, erheblich düsteren Teil der Goethe-Tragödie "Faust", nachdem der erste Teil von Goethes Werk bereits beim 2002er Werk "Epica" behandelt wurde. Und KAMELOT haben sich für die stimmige Umsetzung der Lyrics hochkarätige Unterstützung ins Studio geholt: so übernimmt Shagrath (DIMMU BORGIR) den Part des Mephisto und Simone Simons (EPICA) singt den Part der Margarethe. Wir begleiten den Hauptcharakter Ariel auf einer stimmungsvoll inszenierten Reise bis zu seinem Ende in "Interlude III". "Serenade", der letzte Track des Albums, spannt dann den Bogen zurück zum Anfang von "Epica" - der Kreis ist geschlossen. Trotz aller Komplexität und der illustren Gäste (u. a. hat auch Jens Johansson von STRATOVARIUS einige Keyboard-Parts übernommen) ist "The Black Halo" "nur" ein gutes Melodic Metal Album geworden. Zwar sind mit "The Haunting (Somewhere in Time)", "The Black Halo" und dem Rührstück "Abandoned" einige Hits enthalten, dieses Niveau kann jedoch nicht durchgängig gehalten werden. Schade, denn nach sieben (!) Monaten Aufnahmezeit hätte ich doch noch ein wenig mehr erwartet. So bleibt "The Black Halo" eine Stunde gute Unterhaltung auf hohem Niveau. Nicht mehr, nicht weniger. Ob euch das 16 Euro wert ist, solltet ihr selbst entscheiden. Ich zumindest werde diese CD so bald nicht wieder auflegen...

Fazit: Komplex, lyrisch interessant und technisch überdurchschnittlich - trotzdem kein Pflichtkauf.  7,5 von 10 Punkten   Uwe Harms

Review September 04: KAMINARI - Faraday's Daydream - 2004 (11 Songs, 43:46 Minuten)

Mit fast einjähriger Verspätung wird das Debüt dieser fünf Rocker aus Baden Württemberg ("Wir können alles. Außer Hochdeutsch") am 13.09.2004 in die Regale gewuchtet. Produziert wurde der Silberling von Achim "Akeem" Köhler (PRIMAL FEAR, SINNER, BRAINSTORM) in den House Of Music Studios, Köhler hat den Jungs einen fast perfekten, druckvollen Sound gezaubert. KAMINARI sind: Roland Seidel (Vocals), Bernd A. Wick (Lead Guitar), Timo Reichle (Rhythm Guitar), Jens Ribeaux (Bass) und Pascal Vannier (Drums). In der Twilight Zone zwischen Hardrock und melodischen Heavy Metal liegen die zehn Kompositionen ("My Black Colours" liegt noch einmal als "Radio Edit" vor) auf "Faraday's Daydream" stilistisch, wobei offen bleibt, welchem Tagtraum der englische Wissenschaftler und Erfinder Michael Faraday (1791-1867) denn nun nachging. Fans von SINNER oder PINK CREAM 69 jedenfalls dürften Gefallen an Songs wie "Vampire Vanity", "Eye-Borg", "Stairway To Galaxy", "Babylon" oder "My Black Colours" finden. Mir persönlich gefällt vor allem der coole Rocker "Eye-Borg", unter anderem, weil ich das Anfangsriff so auch schon auf "Branded And Exiled", dem 85er Kraftschlag meiner einstigen Helden RUNNING WILD gehört habe. Und das Grundthema von "My Black Colors" erinnert mich an "Kindergarten" von FAITH NO MORE (auf "Angel Dust", 1992). Aber das nur am Rande. Leider haben sich zwischen die eben erwähnten, wirklich guten Nummern auch einige Ausfälle gemischt. "Guardian Angel", "Fire And Dice" (RUNNING WILD, anyone?) und "Stairway To The Galaxy" sind völlig beliebige, austauschbare Melodic Metal Nummern von der Stange, so was braucht kein Mensch. "Night Without Dawn" hätte jede Hinterhof-Combo auch nicht schlechter hingekriegt. "Philipp Marlowe" und "Guardian Angel" sind Grenzfälle und "Halfway To Heaven", die obligatorische Ballade, ist eine totale Gurke. Das Spiel nach Hause holt Sänger Roland "Bobbes" Seidel, der mit deiner variablen, kraftvollen Stimme auch aus eher schwachen Kompositionen noch einiges herausholt. Und in Leadgitarrist und Hauptsongwriter Bernd A. Wick haben KAMINARI (heißt auf japanisch Gewitter) einen passablen Songwriter und klasse Gitarristen am Start, der es trotz seiner unbestreitbaren Fähigkeiten schafft, sich dezent im Hintergrund zu halten, wenn es dem Song dient. Alles in allem ist "Faraday's Daydream" ein recht unausgewogenes Debüt geworden, das besonders beim Songwriting noch einige Schwächen offenbart, aber auch schon einige große Momente bietet. Checkt "Eye-Borg" oder auch "Vampire Vanity", um euch einen Eindruck zu verschaffen.

Fazit: Ausbaufähiges Melodic Metal Debüt, super produziert.   6,5 von 10 Punkten   Uwe Harms

Review November 04: KANIA - Remorse EP - 2004 (4 Songs, 14:24 Minuten)

Ja, was haben wir denn hier? Melodic Death Metal aus Australien! Richtig gelesen, aus dem Land der Extrem-Biertrinker und Kängurus kommt also auch noch was anderes als Rock 'n' Roll Marke AC/DC. Ist mir auch neu, muss ich zugeben, darum werde ich dem geneigten Leser die noch sehr junge Band mal etwas näher bringen. Aus einem Kaff Namens Lithgow - 150 km westlich von Sydney - gründete man im Spätsommer 2003 die Band. Bestehend aus Dan Ellery (Vocals), Alex Warren (Lead Guitar), Simon Holmes (Rhythm Guitar), Drummer Marty Warren und Bassist Luke Case. Und in dieser klassischen Fünferbesetzung beschloss man - laut eigenen Angaben beeinflusst von europäischen Bands wie DARK TRANQUILLITY oder IN FLAMES - melodischen Death Metal zu zocken. Dass die Burschen mächtig was auf der Pfanne haben, hört man zu jeder Sekunde auf "Remorse". Und von einfallsloser Kopiererei ebengenannter Bands kann keineswegs die Rede sein, auch wenn Ähnlichkeiten durchaus vorhanden sind. KANIA versuchen ganz deutlich den Songs ihre eigene Note zu verpassen, was auch mehr als gut klappt, außerdem gehen sie um einiges härter zur Sache als die meisten heutigen Melodic Death Bands. Teilweise schwingt in den Songs auch eine große Portion Melancholie mit, was den Gänsehauteffekt nur noch erhöht. Jeder der vier Songs besitzt großen Wiedererkennungswert. Geboten wird vom Shouter Dan von richtig kranken Screams über kellertiefes Growlen alles. Die Gitarrenfraktion zaubert ein geiles Riff nach dem anderen aus dem Hut und die exakte und druckvolle Schlagzeugarbeit tut ihr übriges, so dass es mir mehr als nur einmal in den vierzehn Minuten die Mundwinkel nach oben zieht und der Kopf wie von selbst in eine bangende Motorik verfällt. Mir bleibt hier nur noch eines zu sagen: hoffentlich zieht die Band ihr Ding weiter durch und lässt sich nicht durch den Outback kaputtkriegen, dann wird es bestimmt auch hoffentlich bald eine Full Length geben. Spätestens dann wird man von dieser Band mehr hören (ach was... -uwe). Wessen Interesse nun geweckt ist, begibt sich auf die gut gemachte Heimseite der Band, zieht sich den Song "Persona Deformed" und wird sich mit Sicherheit daran erfreuen. Versprochen! Dort gibt es auch weitere Informationen für den, der sich diese Perle der Musik ordern möchte. Ich werde die Jungs auf jeden Fall im Auge behalten. Daumen ganz nach oben!

Fazit: Ein komplettes Album von dieser Qualität und es hagelt Höchstnoten! Melodic Death Metal vom Feinsten! Ohne Wertung  Michael Jehles

Review März 04: KATAKLYSM - Serenity In Fire - 2004 (10 Songs, 38:25 Minuten)

And The Knüppel-Oscar Goes To: KATAKLYSM! Unfassbar, das im Highspeed-Genre immer noch Steigerungen möglich sind. Die perfektionistischen Kanadier, die mit "Shadows And Dust" schon vor knapp zwei Jahren ein kaum zu toppendes Album abgeliefert haben, legen mit "Serenity In Fire" noch mal einen drauf. Der neue Schlagwerker von KATAKLYSM heißt übrigens Martin Maurais, ist 24 Jahre alt und "Serenity In Fire" ist seine erste (!) Studio-Arbeit. Martin hat seine Drumparts in knapp fünf Tagen eingetrümmert. Und das Ergebnis wird sicher einige Drummer zum Aufgeben verleiten. Hört euch mal die Anfänge von "Blood On The Swans" und "The Resurrected" an: das kann doch kein Mensch mehr sein! Bei "For All Our Sins" durfte HYPOCRISY-Sänger Peter Tägtren im Duett mit Maurizio Iacono einen der besten (oder den besten?) KATAKLYSM-Song(s) veredeln. Dieses Stück beinhaltet sämtliche Trademarks der Kanadier, vermischt mit schwedischen Einflüssen und pendelt zwischen eingängigem "Knüppel aus dem Sack" - Death Metal und schwarzmetallischer Raserei. "Ambassador Of Pain", "As I Slither" (nein, nicht "Asi-Schlüpfer"), das großartige Titelstück "Serenity In Fire", "10 Seconds From The End" und das eben erwähnte "For All Our Sins": alles Hits, die wir auch in Jahren noch lieben werden! Erstklassiges Gebolze mit einer Eingängigkeit und Hymnenhaftigkeit, wie sie sonst nur noch die Schweden AMON AMARTH hinkriegen. Nur gehen die Elch-Schubser nicht mit dieser abartigen Geschwindigkeit zu Werke. Und während die Amis von CANNIBAL CORPSE mit "Gore Obsessed" (2002) ihr Pulver verschossen haben und sich bei ihrem neuesten Output "The Wretched Spawn" nur noch selbst kopieren, legen KATAKLYSM mal eben die Messlatte für ein ganzes Genre in schwindelerregende Höhen. Eine unglaubliche Produktion (wie schon beim letzten Output saß Gitarrist J-F Dagenais an den Reglern), kraftvoll, fett und differenziert, ist bei den Jungs aus Montreal ja fast schon Standard. And the Winner is...

Fazit: Muss man als Knüppel-Fan haben. 9 von 10 Punkten Uwe Harms

Review Februar 06: KATAKLYSM - In The Arms Of Devastation - 2006 (9 Songs, 41:07 Minuten)

Oh mein Metalgod! Danke, dass ich das noch erleben darf! Die neue Scheibe ist einfach der Hammer! Soviel vorweg, nun aber ein paar harte Fakten betreffend der Kanadier aus Québec (waren die nicht mal in Montreal ansässig? Egal..).  Seit 1991 bollern die Burschen bereits in der Szene herum und auch "ITAOD" kommt (am 21.02.2006) - wie auch schon die vier Vorgängeralben - über Nuclear Blast heraus. Die letzte Scheibe "Serenity In Fire" wurde noch von Martin Maurais, der mit seiner Hyperblast-Schlagzeugarbeit mächtig viel Staub aufwirbelte, eingetrommelt. Doch trat das Drumming für meinen Geschmack oft zu sehr in den Vordergrund, auch wenn's natürlich bewundernswert war, Bassdrums, die doppelt so schnell wie eine Nähmaschine takten, zu hören. Auf dem neuen Output hingegen ist der „alte“ Drummer Max Duhamel wieder rekrutiert worden. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir ganz auf den Kataklysmischen Hyperblast verzichten müssen, vielmehr ist das ganze jetzt wieder homogener ins Gesamtbild eingefügt worden. Für die Produktion zeichnet sich einmal mehr der Gitarrist J.F. Dagenais verantwortlich, für den Endmix reiste man diesmal nach Dänemark, um von keinem geringeren als Tue Madsen das Teil tontechnisch veredeln zu lassen (für mich eigentlich unverständlich, hat doch Dagenais bislang seine Sache auch in der Hinsicht immer mehr als gut gemacht, aber egal...). Die Band hatte im Vorfeld ihre Fans aufgerufen, ein Cover für die Scheibe zu entwerfen und jeder konnte dann auf der Homepage für seinen Favoriten voten. Gewonnen hat das Bild eines gewissen Tony aus Los Angeles mit 31% der Stimmen. Will das hier überhaupt alles jemand wissen? Kommen wir nun lieber mal zur Musik. Es ist schier unglaublich, ja fast beängstigend, wie sich die Band von Album zu Album steigert. Und auch "In The Arms Of Devastation" macht in dieser schon fast zur Gewohnheit gewordenen Eigenschaft keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil, das Teil ballert einem die Eier weg, auch wenn die Eingängigkeit noch höher als auf den Vorgängerscheiben ist. Schon der Opener macht keine Gefangenen und glänzt mit allen KATAKLYSM-Eigenschaften: rasend schnelles Drumming, wahnwitzige Gitarrenläufe und im eingängigen Refrain ein höchst melodisches Solo. So klasse dieser Song auch ist, er ist nur so etwas wie eine Einleitung auf das, was da noch kommen soll. Denn bereits mit dem folgenden Song "Let Them Burn" ist es um mich geschehen. Ich finde keine Worte mehr für das, was mich da plattwalzt, was für ein Refrain! Was für oberfette Riffs! Der Rhythmusteppich aus Bassgitarre und Drums erledigt den Rest und macht den Song zu einem echten Reißer. Wie geil kann eigentlich eine Produktion klingen? Meine Fresse! Man konnte mich bereits mehrfach beobachten, wie ich völlig durchgedreht durch die Bude wetzte und dabei immer wieder den Refrain ("let them burn, fuck them all, kill em all! LET – THEM – BURN!") gröhlte wie am Spieß... Sänger Maurizio pendelt mit seiner Stimme immer schön zwischen tiefen Growls, helleren Screams und Black Metal-Gekeife, ein Hochgenuss! "Crippled And Broken" beginnt mit einem alles zermalmenden SloMo-Moshpart und steigert sich urplötzlich zu einem Riffmonster par Excellence. Und überhaupt, das Songwriting: höchst eingängig in der Gesamtheit, obergeile Refrains, noch geilere Highspeedparts und nicht minder mitreißende Breakdowns und Soli. Kinners, sorry, aber ich flipp' echt aus hier! Ich bin bestimmt nicht schwul, aber die vier Typen will ich als Harem! Und wieder raste ich völlig aus und brülle den Refrain von "Crippled And Broken" Pah! Als Metaller sollte es einem eh egal sein, was andere über einen denken. Meine Nachbarn jedenfalls schütteln über mich nicht mal mehr den Kopf... Weiter, nächster Song: „To Reign Again“ heißt er und nach einem anfänglichen Akustik-Gitarrenpart, kommt in bester BOLT THROWER-Manier ein Rifforgasmus wie zähe Lava aus den Boxen geflossen. Ganz ganz heiß und vor allem verdammt heavy! Urplötzlich wandelt sich der Song und der "Northern Hyperblast" gibt sich die Ehre! Im Refrain wird's dann wieder etwas melodischer und der bekloppte Schreiberling rennt wieder mal durch die Bude uns brüllt... na, was wohl? Genau, den Refrain. Lange war schon nichts mehr so mitreißend wie diese Scheibe hier! Im hinteren Teil des Songs setzt die Gitarre aus und man hört nur das Drumming von Max Duhamel und das geile Bassspiel von Stéphane Barbe. KATAKLYSM verstehen es nahezu perfekt, die melodischen und eingängigen Aspekte von Todesstahl aus Schweden mit den brutalen Einflüssen des USA-Death Metal zu vermischen. Zusätzlich kommen noch ein paar Einsprengsel aus dem Black Metal, was besonders gut im Song Nummer fünf, "It Turns To Rust" zu hören ist. In bester Dani Filth-Manier krächzt Maurizio seine Vocals ins Mikro, im Duett mit KITTIE-Frontlady Morgan Lander, welche man für diesen Song ins Studio zerrte. Obwohl der Song zu den langsameren gehört, fehlt es auch hier nicht an Durchschlagskraft. "Open Scars" ist dann wieder etwas schneller, was vor allem für die Drums gilt. Obergeiler Refrain, klasse Riffs und Leads, in seiner Gesamtheit höchst zerstörerisch! Tja und dann ereilt einen mit "Temptations Nest" ein Song, wie er geiler wohl kaum geht. Inzwischen jede Textzeile mitgröhlend, lässt mich dieser bei jedem neuen Durchlauf völlig ausrasten. Ein unglaublich eingängiger, aber heftiger Refrain, der mal eben locker ganze Häuser zum einstürzen bringt! Man ist absolut gefangen „In den Armen der Verwüstung“. Zwischendurch regiert der Hyperblast, aber auch hier wieder höchst geile, melodische Gitarrenarbeit. Ein weiterer 10 Punkte Song! Das vorletzte "In Words Of Desparation" glänzt (natürlich) wieder mit allen KATAKLYSM-Trademarks, bevor mit "The Road To Devastation" der Schlusspunkt markiert wird. Obwohl für "Katerklöten"-Verhältnisse schon fast schleppend entfesselt der Song eine Macht, die schwer in Worte zu fassen ist. Als Gastgrowler fungiert hier meines Wissens Rob Doherty von den Landsmännern INTO ETERNITY. Geiler Kontrast! Wenn man nun ausschließlich diesen Song mal mit den ganz alten Outputs vergleicht, bemerkt man, dass es doch schon ein ganz gewaltiger Schritt ist. Ob nun nach vorne oder nach hinten, müssen die Fans entscheiden. Mich jedenfalls reißt dieser Song mit seinen fast schon melancholischen Melodielinien und dem überaus superben Solo mehr als mit! Mit den über sieben Minuten Spielzeit fast schon überlang, aber die letzten zweieinhalb Minuten kann man wohl eher als Outro bezeichnen, in dem - mit atmosphärischen Klängen untermalt - eine Uhr tickt. Die Ruhe nach dem Sturm quasi. Tja, nun gilt es ein schönes Abschlusswort zu finden, aber ehrlich gesagt fällt mit da nicht mehr viel ein. Außer, dass ich das Gefühl habe, dass "In The Arms Of Devastation" die Fans der Kanadier in zwei Lager spalten wird. Denn mit den fast nur schnellen und noch brutaleren Anfangstagen hat das neue Material nicht mehr allzu viel zu tun. Moderne Produktion, viele Melodien und SloMo-Parts. Es soll ja intolerante Metaller geben, die ihren Faves den Rücken kehren angesichts solcher "Spielereien". Ich gehöre nicht dazu, jedenfalls nicht bei KATAKLYSM, die meiner Meinung nach mal eben DAS Death Metal-Highlight der letzten Jahre eingetrümmert haben. Ich freu mich wie Bolle auf das kommende Party.San, denn dort wurden die Burschen bereits verpflichtet. Und wehe jemand aus dem Umfeld der Band wird wieder schwanger, oder so'n Müll! So, nun ist alles gesagt. Außer: KAUFEN!!!

Fazit: In allen Belangen großartig! Ich muss es tun:  10 von 10 Punkten Michael Jehles

Review März 06: KATATONIA - The Great Cold Distance - 2006 (12 Songs, 51:51 Minuten)

Ich kann mich noch gut dran erinnern, wie ich im Winter '93/'94 regelmäßig zu den düster-betörenden Klängen von KATATONIAs erster Full Length "Dance Of December Souls" in den frühen sonntäglichen Morgenstunden - verkatert und gebeutelt vom Vorabend - Zeitungen ausgeteilt habe, um mir ein paar Mücken fürs Bier am nächsten Wochenende zu verdienen. Lang ist's her und die Zeitungen, die eines schönen Morgens allesamt im Graben landeten, dürften mittlerweile wohl auch der Witterung zum Opfer gefallen sein. Ebenso wie der einstige Stil von KATATONIA ein Relikt aus vergangenen Tagen ist. Der Unterschied zwischen der Zeitung und KATATONIA ist wohl der, dass die Schreiberlinge immer noch den selben uninteressanten Kram unters Volk bringen, KATATONIA aber von Veröffentlichung zu Veröffentlichung an Qualität gewinnen. Meine Erwartungen an sie waren nach dem superben Vorgänger "Viva Emptiness" (2003) und dem nicht minder guten "Last Fair Deal Gone Down" (2001) schon recht hoch. Doch anstatt sich in eine Sackgasse zu spielen, schaffen sie es ihren eingeschlagenen rockig-melancholischen Weg konsequent fortzusetzen und sich noch einmal kompositorisch und technisch weiterzuentwickeln. Der Gesang von Jonas Renske setzt wieder mal Akzente und ist wohl das größte Aushängeschild dieser einzigartigen Band. "The Great Cold Distance" zündet nicht unbedingt beim ersten Hördurchlauf wie z.B. "Last Fair Deal Gone Down", was in ihrem Fall aber durchaus positiv zu vermerken ist, da auch das letzte Album seine Zeit brauchte um zu wachsen und zu etwas ganz Großem zu werden. Progressiv und deutlich härter geht man zu Werke und hat mit "Leaders" einen passenden Opener gewählt, der die Marschrichtung vorgibt und für einige überraschte Gesichter sorgen dürfte. Die erste Singleauskopplung "My Twin", zu dem es auch ein Video auf der Homepage zu begutachten gibt, ist eine typische KATATONIA-Nummer und ein absoluter Hit. Weitere Highlights sind auf jeden Fall "Rusted" und das meiner Meinung nach beste Stück der Scheibe, "July". Die Produktion ist übrigens absolute Oberliga und die Schweden haben mit dieser Scheibe, auf der kein mittelmäßiger Song vertreten ist, wieder mal unter Beweis gestellt, welch großartige und begabte Songwriter sie sind. Das einzige, was mich an der Scheibe wirklich stört, ist dieser dämliche Sack der immer erzählt, welches Album ich mir grad anhöre und wann es denn endlich rauskommt! Schmeißt den Penner aus der Band! Abschließend bleibt den Jungens nur zu wünschen, dass ihnen endlich die Aufmerksamkeit zuteil wird, die sie verdienen. "The Great Cold Distance" erscheint am 13.03.2006.

Fazit: Das bis dato beste KATATONIA-Album!  9,5 von 10 Punkten Gastrezensent: Ulf Bloem

Review August 06: KEEP OF KALESSIN -  Armada - 2006 (10 Songs, 49:56 Minuten)

 KEEP OF KALESSIN sind das "Kind" von Obsidian Claw (bürgerlich Arnt Grønbech), der die Band 1994 im norwegischen Trondheim gründete. Obsidian C, der zum Live-Line Up von SATYRICON gehörte,  hatte mit KOK schon zwei Scheiben ("Through Times Of War", 1997 und "Agnen: A Journey Through The Dark", 1999) veröffentlicht, bevor 2004 die viel beachtete EP "Reclaim" mit Drummer Frost (SATYRICON) und MAYHEM-Schreihals Attila Csihar auf den Markt kam. Frost und Attila sind nun nicht mehr dabei, das 2006er Line-Up liest sich wie folgt: Obsidian C - Guitars und Synthesizer, Thebon - Vocals, Wizziac - Bass und Vyl - Drums. "Armada" bietet fast 50 Minuten lang recht melodiebetonten Black/Thrash Metal der neueren Generation, die PlattenfirmaTabu Records schwafelt im Infoblatt was von "Epic Extreme Metal", mir auch recht. Parallelen könnte man zu den deutschen Bands FALLEN YGGDRASIL und CRYPTIC WINTERMOON, aber auch zu den Schweden NECROPHOBIC ziehen. Welchen Status "Armada" seiner Meinung nach einnimmt, machte Obsidian C im Interview mit dem Rock Hard klar: "Ich sehe "Armada" durchaus in einer Reihe mit Alben wie "Master Of Puppets" oder "Seventh Son Of A Seventh Son" - wenn gleich natürlich im Black Metal-Kontext" (RH 230, Seite 76). Nun vielleicht muss man diese Aussage dahingehend interpretieren, dass "Armada" in der Diskographie von KEEP OF KALESSIN einen Meilenstein darstellt - so wie die genannten Alben für METALLICA und IRON MAIDEN Meilensteine darstellten. Auf jeden Fall ist "Armada" ein verdammt starkes Album. Obsidian, der das Album (zusammen mit Texter Torstein Parelius) fast im Alleingang umsetzte, macht sich mit diesem Werk einen verdammt guten Namen, besonders, weil seine Gitarrenarbeit auf "Armada" wahrhaft beeindruckend ist. Trotzdem müssen sich die Norweger KEEP OF KALESSIN den Schweden NECROPHOBIC und ihrem neuen Album "Hrimthursum" knapp geschlagen geben. Stockholm gegen Trondheim: 1:0! Knapp verloren, Jungs, aber nach dem Spiel ist vor dem Spiel...

Fazit: Frustrierend für Hobby-Gitarristen.... 8 von 10 Punkten   Uwe Harms

Review Juni 04: KHOLD - Morke Gravers Kammer - 2004 (10 Songs, 38:35 Minuten)

Förmlich aus der Hand riss ich dem guten Uwe vorliegende dritte Veröffentlichung KHOLDs, bin ich doch ein großer Freund der alten TULUS -  Veröffentlichungen, jenen also der wirklich hervorragenden Vorgängerband KHOLDs, die erstmals 1994 mit dem Demo "Sammlerens Kammer" in Erscheinung trat. Bereits seit jener Zeit war die Musik TULUS` geprägt von stets recht kurzen Stücken, die in der Regel von nur wenigen, verschiedenen Gitarrenlinien getragen wurden. Diese waren entweder groovig-aggressiv, oder aber extremst  melancholisch gehalten, wobei es nie an Eingängigkeit fehlte und letztere Gruppe den wesentlich größeren Anteil ausmachte. So erinnern auch bereits die ersten Klänge von "Morke Gravers Kammer" extrem an jene alten TULUS-Werke. Schnell jedoch wird klar, dass sich Grundlegendes geändert hat. Nicht mehr nämlich machen die melancholischen Melodien den Löwenanteil der Musik aus, sondern vielmehr die groovigen. Wobei damit bezeichneter Anteil wohl auf rund 80% geschätzt werden darf. Daraus resultiert eine gewisse Eintönigkeit des Materials der Band, wobei für mich persönlich aus gerade aus dieser ein enormer Reiz entsteht, erwächst dergestalt doch eine enorme Atmosphäre. Objektiv betrachtet jedoch hätte der Musik ein wenig mehr Vielseitigkeit sicher nicht geschadet, dürfte auch das entsprechende Fehlen selbst darauf wert legenden Hörern nur marginal übel aufstoßen. Ein klar erhalten gebliebenes Charakteristikum der Musik TULUS` ist die auch hier geniale Stimme. Diese erinnert derart an die des TULUS-Sängers, dass ich vermuten möchte, es handelt sich um eben jenen. Damit wäre dann übrigens neben Sarke noch ein zweites ehemaliges TULUS-Mitglied an Bord. Das der Sound der CD gut ist, dürfte sich angesichts der Tatsache, dass KHOLD nun bei einem Majorlabel unter Vertrag sind, nahezu von selbst verstehen. So ist die komplette klangliche Gestaltung zwar einigermaßen rauh, jedoch durchweg homogen und druckvoll. Die Texte sind komplett in norwegischer Sprache gehalten und behandeln sämtlichst das Thema einer Totenkammer, in welche der Tote kommt, bevor er ins Jenseits einkehrt. Dort hört er die Musik eines Spielmannes. Stoppt sie, bleibt nichts außer Staub des Toten. Insgesamt stellt ein "Morke Gravers Kammer" ein wirklich gutes Black Metal-Album dar, dass sich jedoch wohl ständig Vergleiche zu alten TULUS-Alben gefallen lassen werden muss.

Fazit: Guter, untypischer Black Metal. Ein vorheriges Antesten empfiehlt sich. 7 von 10 Punkten Gastrezensent: T (dark.trial@web.de)

Review Juli 05: KILLER - Immortal - 2005 (12 Songs, 62:52 Minuten)

KILLER aus Belgien sind so alt wie der Wald und stecken bis zum Hals in den glorreichen achtziger Jahren. "Immortal" ist das sechste Studio-Album in 25 Jahren Bandgeschichte. Dass hinter dieser "Veröffentlichungsflut" eine bewegte Bandgeschichte steckt, dürfte jedem klar sein. Die Band ist seit jeher eng mit Mausoleum Records verbunden und natürlich erscheint auch "Immortal" bei dem belgischen Kultlabel. Die zwölf Songs wurzeln tief im im musikalischen Humus der NWOBHM, jedoch lautet die Übersetzung diesmal "New Wave Of Belgian Heavy Metal". Old School wie meine Oma (R.I.P.), allerdings viel fetter produziert, als das noch auf den KILLER-Frühwerken "Shockwaves" (1984) oder "Wall Of Sound" (1981) der Fall war. Doch das ist nicht der einzige Bruch mit der Geschichte, auch das Tempo haben die Belgier merklich gedrosselt, außerdem ist seit dem Album "Broken Silence" (2003) ein Keyboarder mit an Bord. Dave Powell heißt der Gute und auch er trägt dazu bei, dass KILLER etwas gesetzter tönen als in den Speed Metal-Tagen Anfang bis Mitte der achtziger Jahre. Gründungsmitglied, Gitarrist und Sänger Paul "Shorty" van Camp ist jedoch kein bisschen leiser geworden, er kann "es" immer noch. Auch sein Vokuhila und der obligatorische Schnauzbart sind immer noch da, könnte ja mal wieder in Mode kommen.... Wer also auf klassischen Heavy Metal europäischer Prägung steht, sollte "Immortal" eine Chance geben. Die coolen Songs "Queen Of the Future" und "Touch of Evil" (nein, keine PRIEST-Coverversion) sollen euch als Anspieltipps dienen. Zwar fehlen die ganz großen Momente, aber schlecht ist auch keiner der zwölf enthaltenen Songs. Und über eine Stunde, guter, klassischer Heavy Metal ist doch auch was Feines, oder?

Fazit: Schön, dass es immer noch Idealisten und Trendverweigerer gibt!  7 von 10 Punkten   Uwe Harms

Review Dezember 03: KILLING JOKE - Killing Joke - 2003 (12 Songs, 55:47 Minuten)

Tja, was soll ich sagen? Eine Hammerscheibe! Das nur vorweg ... wer KILLING JOKE von "Früher" kennt, wird dieses epochale Werk lieben, so erging es mir. Wer nicht weiß, was los ist...... wer das ist .........der braucht eh' nicht weiterlesen (Nein, nein....keine Sorge, so schlimm ist's nicht)! Gleich der erste Track fegt dir in die Ohren mit Jaz Coleman's kultiger Rotzstimme, dass es dir in den Zehen juckt! Wieder mal dieses Feeling, das es nur bei bestimmten Bands und Platten gibt! "The death & ressurrection show" heißt der erste Track und fesselt sogleich mit seinem unglaublich sonorem Gesang und dieser geilen "da dam da damm damm"- Gitarre ("Illumination.....burn burn burn brightly burn burn") und ist  einer von "nur" zehn Hits, auch wenn die Gitarrenarbeit und die Atmosphäre ein klein wenig an "Pandemonium" erinnert. Etwas "schräger" geht es bei der näxten Nummer "Total Invasion" zur Sache, obwohl auch hier der Hit nicht im Brote gebacken liegt, eher einer der Abwertungsnummern (lol)! Alles klar, ist halt KILLING JOKE,  hab' ich mir gedacht. Und dann kommt "Asteroid"...... und alles ist vorbei .......was da aus den Boxen schallt, ist der wahre Asteroid! Heavy as Shit und absolut wie in alten Zeiten (thx!), dieses Stück ist Pflicht mitsamt Kopfhörerbetrieb! Ob man diesen Stil mag oder nicht, man sollte "Killing Joke" zumindest mal gehört haben! Nebenbei wurde Dave Grohl (NIRVANA / FOO FIGHTERS) an den Drums engagiert, was sich im näxtem Track, dem sehr rhythmischen "Implant" wirklich auszahlt, wieder mal eine  schön dreckige Klampfe nebst der kultigen Stimme von Jaz, das hat schon was. Right .... next Track: "Blood on your hands". Wer die "Extremities, dirt..." kennt, wird wissen, was dieses Stück hat - eine kultig vertüdelte Gitarre mit der hypnotischen Stimme und echtem Industrial Feeling, noch ein Hit für mich, allein Grohl's coole China-Einsätze sind hier echt lecker! "Loose cannon" ist Track Nummer sechs einer schon beim ersten Hören geilen Platte, aber sobald der Refrain ertönt .... ich höre sie schon alle singen! Kein Wunder, dass dieser Track als Single noch sein Leben führen wird, es könnte das "Love like blood", Part 2 für die Band werden. Hitgefahr! Autsch, nun kommt Track sieben, wenn der auch da anknüpfen würde, wo die letzten Songs hinwiesen, würde es bei mir die 10er-Mauer brechen, aber für mich ist "You'll never get to me" zu schwach, klingt ehrlich gesagt ein wenig zu "poppig". Es fehlt der Rotz und der Spirit in diesem Track, schöner Refrain, aber etwas zu langweilig vorgetragen. Jau! Track acht... "Seeing red", in England schon  als Nachfolge-Maxi ausgekoppelt, zeigt dieser Track, dass KILLING JOKE definitiv noch nicht nicht tot sind! Rotzig, frech und frisch wie am ersten Tag nach der Geburt  werden hier (fast) alle Facetten des KILLING JOKE-Sounds dargeboten, eingängige Refrains mit politischen Statements, merkwürdige Gitarren-Sounds und der immer allgegenwärtige Bass-Sound! Fans sollten hier schnell bei der Maxi zuschlagen, da limitiert und mit Bonus Track, nur so nebenbei! Hui, da ist schon Stück Nummer neun auf der Liste.... nennt sich "Dark Forces". Tja, ich bin ein Fan der "Extremities, dirt...", und da muss ich einfach sagen: Weiter so! "Get up, wake up.........Dark Forces", wieder mal ein Hammer-Refrain, wo der Mann das herholt, ist mir schleierhaft! Was? Schon letztes Stück?! Darf das?! NEIN! Ich will mehr! "The house that pain built" is kein Filler denn es ist so gehalten wie  "Inside the termite mound" von der "Extremities, dirt...", sehr gut, sogar mit einem schnellen Beat (nein, kein Geblaste!). Mensch, schade! Ist schon vorbei, die Pladde!  KILLING JOKE ist schon net einfach zu hören, aber tut es euch an ! Reinhören lohnt auf jeden Fall ! Gute Texte gepaart mit guter Musik (was eh' immer Geschmackssache ist).

Fazit: Auch wer jetzt noch nicht Fan ist: einfach Kopfhörer aufsetzen - ich wünsche dann einstweilen einen guten Flug!  9.5 von 10 Punkten  Gastrezensent: Klaus Kessemeier von  BK 49

Review April 06: KILLING JOKE - Hosannas From The Basement Of Hell - 2006 (9 Songs, 62:00 Minuten)

Und wieder einmal: Uwe, ich danke dir! Das zweite KILLING JOKE-Review meinerseits, und das ist endlich mal richtig eine einfach zu bewertende Langrille. Da ich langjähriger KJ-Fan bin, ist es noch einfacher hier was abzulassen. Tja,wie fang ich an.... seit nunmehr über 25 Jahren treiben die Herren um Geordie (Gitarre) und Jaz Coleman (Vocals) ihr Unwesen und was hier auf dem neuem Eisen geboten wird, ist mal wieder einmal allererster Güte. Hier wird sich mit absolut minimalistischem Sound (angeblich eine 8 Spur-Aufnahme, die in einem Keller in Prag aufgenommen wurde!) durch die gesamte Bandpalette gearbeitet, dass die Schwarte kracht. Eines der besten Beispiele, dass gute Musik nicht immer die monströse Soundkulisse benötigt, ist "Hosannas From The Basement Of Hell". Ich will hier gar nicht auf einzelne Stücke näher eingehen, da das wahrscheinlich den Webspace von RadioGehacktes.de sprengen würde, also lassen wir das. Es ist ein großartig stimmiges Album geworden, was die Düstermänner hier eingespielt haben. Unglaublich, wie intensiv man so einfache Musik darbieten kann. Jaz Coleman rotzt und kotzt sich durch die Tracks, dass es eine Wonne ist ihm zuzuhören, und Geordie flext mit seiner sporadisch/ruhigen aber ungemein effektiven Art des Gitarrespielens alles hinweg. Die Rhythmusgruppe groovt um ihr Leben und alle Stücke klingen wie aus eine Guss. KJ spielen sich hier quasi selber um ihre eigene Epoche herum, drehen und winden sich, als ginge es um ihr Leben ... merkt man eigentlich, dass ich die Band mag? ;-) KJ sind, waren und werden immer KJ bleiben, von einigen schwächeren Stücken in den Jahren 1984-88 mal abgesehen, es ist absolut faszinierend zu sehen wie die Herren auch Live auf  DVD agieren ("XXV Gathering: Let Us Prey", für mich eine der besten Musik DVDs, die erhältlich sind!). Ich hoffe, dass die Konsequenz, mit der die Band hier zu Werke geht, mit der gleichen Intensität weitergeführt wird. Der Sound dürfte einigen vielleicht etwas übel aufstoßen, aber das ist einer der Bausteine dieses Hammeralbums. Leute, die die Band nicht kennen, sollten zu drei Anspieltipps greifen: Track 03 "Invocation" (Hypnotic, bis der Arzt kommt), Track 04 "Implosion",das Titelstück oder einen Arzt ihres Vertrauens konsultieren!

Fazit: Die KJ-Jünger haben "Hosannas From The Basement Of Hell" eh schon im Schrank, die anderen hören Probe. Für mich wieder ein Meisterwerk hypnotisch-manischer und Musiker mit dem Hang zum Genialem!  9,5 von 10 Punkten Gastrezensent: Klaus Kessemeier

Review Februar 06: KILLING SPREE - Choose And Decide - 2005 (10 Songs, 42:07 Minuten)

Nee, diese Mischung aus Industrial-Sounds und walzendem Death Metal will mir einfach nicht gefallen! Was die ehemaligen ENSLAVED-Recken hier präsentieren, will einfach nicht stimmig klingen. Zwar beginnt "Choose And Decide" mit "Burning East" noch recht passabel, mit dem Einsetzen der ersten Keyboard-Klänge hingegen weicht der gute Eindruck einem latenten Kotzreiz. Weniger ist manchmal eben doch mehr! Es gibt definitiv Death Metal, bei dem ein Zusammenspiel von tiefer gestimmten Gitarren und Keyboards keineswegs störend wirkt (alte AMORPHIS beispielsweise). KILLING SPREE hingegen mischen einfach zu viele Stile, so dass das Ergebnis am Ende so klingt, als würde man sich inmitten eines riesigen Proberaumkomplexes befinden und alle probenden Bands gleichzeitig hören. Von rechts hört man die Band STOCKRUMWERFER, die einem geile, walzende Gitarrenriffs um die Ohren ballert. Links röhrt der Frontmann der Band 1 ½ METER TIEF in bester Chris Barnes-Manier ins Mikro. Von oben gibt es Keyboardklänge einer jungen untalentierten Black Metal-Band, die sich mit den Industrial-/Technoklängen des bekifften Psychologiestudenten aus dem Nachbarraum mischen. Und irgendwo mittendrin probt auch noch 'ne Old School Thrash-Band, die sich aber irgendwie nicht so recht durchsetzen kann. Man selber versucht, dem ganzen wenigstens halbwegs zu folgen, scheitert aber kläglich. Auf "Choose And Decide" gibt es tatsächlich nicht einen Song, den ich auch nur ansatzweise empfehlen würde. Nicht einmal die abgedrehtesten MINISTRY-Songs klingen so anstrengend und unstimmig, wie das hier gebotene. Da nützen auch eine gute Produktion und ein ganz passables Artwork nichts. ENSLAVED waren nie wirklich mehr als eine Underground-Band und KILLING SPREE werden es hoffentlich auch nicht werden. Diese Band im Billing eines geilen Konzertes würde einem echt den kompletten Abend versauen! Die zwei Punkte gebe ich nur, weil einer der Gitarristen den Spitznamen "Joe" hat....

Fazit: Ab in die Tonne! 2 von 10 Punkten  Ali (Joe D. Fister)

Review Juni 04: KILLSWITCH ENGAGE - Alive Or Just Breathing - 2002 (12 Songs, 44:45 Minuten)

Egal ob Heavy, Black, Death Metal oder Rock´n Roll, es gibt viele Bands, die mich beeindruckt haben. Aber KILLSWITCH ENGAGE aus den USA haben mich schlicht umgehauen. Wer immer noch denkt, KILLSWITCH ENGAGE seien eine Nu-Metal Band, der irrt sich gewaltig. KE sind eine klar 80er Jahre-inspirierte Band mit kräftigem Hardcore Einschlag und vielen melodischen Versatzstücken. "Alive Or Just Breathing" ist das Debüt der Amis. Schon gleich der erste Track "Numbered Days" ist ein richtiger Kracher. Double Bass Attacken, die dir von allen Seiten in die Fresse hauen, dazu kehlige Schreie von Fronter Jesse Leach - die nächsten 45 Minuten kannst du dir nichts anderes vornehmen. Bei "Self Revolution" und "Fixation On The Darkness" zeigt sich auch, dass die Band geile Gitarrenmelodien parat hat und Jesse Leach auch mal richtig eine schöne Gesangslinie ziehen kann. Für mich der beste Track des ganzen Albums und ein Garant für zünftige Nackenschmerzen ist "My Last Serenade". Ein ruhiges Gitarrensolo bringt dich auf "Wolke Sieben", bevor langsam einsetzendes Doublebass-Gepolter dich umkreist. Nur um dich dann zusammen mit echt geilen, mit Gebrüll gepaarten Metal Riffs in Grund und Boden zu schmettern. Da versteht man gar nicht, warum Leach erst die Band verlässt, weil er keinen Bock mehr auf Metal hatte und lieber Hip-Hop, DUB und Reggae spielen wollte. Aber die anderen Band Mitglieder holten zum Glück denn überraschten Sänger für eine Probe zurück, der Rest ist Geschichte. Jesse Leach versucht trotz all seiner Frustrationen und Ängste ein positiver Mensch zu sein, was nicht immer leicht ist. Back To Music: Der Song "Life To Lifeless", klingt im ersten Augenblick so rhythmisch wie FEAR FACTORY und die melodischen Parts sind eher mit SOILWORK vergleichbar. Headbang-Zwang! KILLSWITCH ENGAGE: ein Drummer, der alles umhaut, geniale Gitarrenriffs und dazu ein genialer Sänger, der dir die Ohren vollbrüllt. Das man Death Metal mit Hardcore mischen kann, zeigt sich auch in den Songs "Just Barely Breathing" und "To The Sons Of Man". In meinen Augen sind KILLSWITCH ENGAGE die beste Newcomer-Band 2002! Wer auf die Mucke von HATESPHERE, SOILWORK oder FEAR FACTORY steht, für den ist " Alive Or Just Breathing" genau das richtige. Einer rosigen Zukunft steht bestimmt nichts mehr im Wege.

Fazit: Beste Newcomer Band 2002!  9,5 von 10 Punkten Michael Saathoff

Review: KING DIAMOND - Abigail II: The Revenge - 2002

Der KING ist irgendwie wie ein Uhrwerk. Bringt in schöner Regelmäßigkeit Alben mit MERCYFUL FATE und vor allem seinem Solo- Ding raus. Ist es eigentlich nötig, hier die wichtigsten Trademarks (die bei beiden Bands ohnehin die gleichen sind, nämlich KING's Gesang und absolut untrendige 80er-Riffs mit mystischem Touch) in zwei Projekten zu verheizen? Wie dem auch sei, ich war immer schon Fan von beiden, musste aber auch beiden Bands vor paar Jahren noch eine ziemliche Kreativitätssenke bescheinigen. Der KING versucht hier, an eines seiner erfolgreichsten Alben anzuknüpfen, nämlich die "Abigail"-Geschichte, die vor 15 Jahren in der schwermetallischen Welt einschlug. Und so treffen wir bereits im Intro einen alten Bekannten: "O'Brian of the black Horsemen". Schön in B-Movie-Grusel verpackt, wie wir es vom KING gewöhnt sind. Der Song "The Storm" begrüßt den Hörer mit bekannten Riffs der Marke Andy LaRocque. Es fällt auf, daß der KING den Sopran immer noch zielsicher trifft, aber auch er wird älter, und so nehmen die Krächz- sowie cleanen Passagen immer mehr zu, während die hohen Melodien doch schon an Kraft verlieren. Auch die mehrstimmigen Parts dürfen nicht fehlen. Spätestens da fragt man sich, was live überhaupt noch von einem solchen Gesang übrigbleibt, wenn man die Overdubs weglässt und dann noch grob über den Daumen peilt, wieviel Probleme der ständige Wechsel zwischen Krächzen und Sopran noch mit sich bringt. Ist wirklich eine Überlegung wert, ob man den KING sich heute noch live angucken möchte, oder lieber die sauber im Studio produzierten Scheiben auflegt. Die Riffs sind eigentlich wie immer: traditionelle 80er-Riffs wechseln sich mit recht komplizierten Harmonien (eine echte Kunst von Meisterklampfer LaRocque). Dabei ist "80er-Riffs" nicht mal so sehr altbacken oder gar negativ gemeint, denn trotz aller Einfachheit, die sich in manchen Grundriffs wiederfindet, kommen sie doch leicht und locker rüber und wirken alles andere als wiedergekäute Altware. Meist in Mid-Tempo gehalten entwickeln sich manche Songs zu echten Headbangern. Lediglich beim ziemlich genialen "Spirits" wird mal zwischenzeitlich auf die Tube getreten und die herrlichen Melodiebögen und fabelhaften Soli von präziser Doublebass unterlegt. Dieser Song hat wirklich die Klasse des legendären "Conspiracy"-Albums! Richtig nostalgische Gefühle werden bei manchen Songs erweckt: "Little One" könnte auch streckenweise auf alten FATE-Meisterwerken wie "Melissa" einen Platz finden. "The Crypt" ruft nach den ersten Tönen kurzfristig sogar Erinnerungen an den Titeltrack "Melissa" von damals wach. So punktgenau hat die Produktion den cleanen Gitarrensound von damals getroffen. Dies zeigt, wie nah sich beide Bands stilistisch wirklich stehen. Oder noch mehr Nostalgie gefällig? Allen Fans der NWOBHM sei mal der Mittelteil von "The Wheelchair" empfohlen, der auch einer alten MAIDEN-Scheibe entsprungen sein könnte. Die Produktion ist sehr, sehr trocken und klar. Ich persönlich bevorzuge dichteren Sound ohne Lücken, aber das ist ja Geschmackssache. Auf jeden Fall ist sie noch genügend druckvoll und räumt den vielen kleinen Details und Stimmen genug Raum zum Entfalten ein. Warum man allerdings für dieses Album ganze 5 Monate im Studio verbrachte, muß mir einer erklären. Ich muß anerkennen, daß das Kreativitätstief von KING DIAMOND überstanden ist. Nach zwei furchtbaren Vorgängern war bereits "House of God" wieder sehr ordentlich, und auch dieses Werk besitzt eine Qualität, die sich von vielen Retro-Veröffentlichungen abhebt. Nichtsdestotrotz fehlt mir etwas. Es fehlt mir die Bandbreite. Ich möchte es Bands nicht ankreiden, wenn sie sich nicht großartig verändern - im Gegenteil. Nur ist es wirklich damit getan, sich stilistisch komplett einzuengen? So frisch und unverbraucht die Songs auch sein mögen, und auch so qualitativ hochwertig produziert, wie sie ohne Einspruch wirklich sind: KING DIAMOND bewegte sich schon immer auf einem sehr schmalen Grat, der keine weitere Entfaltung mehr bietet, ohne ihn zu verlassen. Es gibt nichts mehr auszufeilen oder zu entwickeln. Dies ist der Vorteil anderer Bands, die sich stilistisch aus einem breiteren Spektrum bedienen. Diese Möglichkeit bleibt dem KING verwehrt und hätte - wenn - eine Umschichtung seines Fankreises zur Folge. Wer also total auf die alten KING DIAMOND Werke steht ("Them", "Abigail") und einfach nicht genug Songs dieser Art im Regal haben kann, sollte hier getrost zugreifen. Alte Fans, die mal Neuland entdecken wollen, werden auf dieser Scheibe gar nichts Neues entdecken (außer dem wirklich geilen "Spirits") und können es getrost bei den alten Werken belassen. Aufgrund dieses Zwiespalts werde ich mich mit Punkten trotz aller Qualität etwas zurückhalten. So, und ein halber Punkt geht noch auf Kosten des Labels: Liebe Plattenfirmen, wie soll man denn CDs korrekt bewerten, wenn 90% aller Songs bereits nach 1:30 Minuten ausgeblendet werden? Ich hätte gern noch viel detaillierter über die Musik geschrieben. Vielleicht entwickeln sich ja manche Songs noch so richtig geil? Aber ich kann nur bewerten, was ich auch hören kann, und so muss ich das unbekannte Material eben mit Vorsicht genießen. Wenn ihr wirklich so panische Angst vor Raubkopierern habt, macht doch nach 2 Minuten einen kurzen "Promotional copy"- Spruch in den Song, oder ein "Piep" oder sonstwas. Wenn ihr eh schon rumeditiert, macht das auch nicht mehr Arbeit.

Fazit: 6.5 von 10 Punkten Gastrezensent: Stefan "Steve" Machwirth von  http://www.was-ist-Fido.de 

Review November 04: KING'S X - Live All Over The Place - 2004 (Do-CD, 25 Songs, 132:48 Minuten)

Wieder 'ne Band, die schon lange auf dem Markt ist und nun zum ersten Mal eine Live-Scheibe veröffentlicht.  Letzte Woche waren es ENCHANT aus San Francisco, jetzt kommen KING'S X mit "Live All Over The Place" über den Teich. In der Metal-Szene haben sich KING'S X mit ihrem 89er Meilenstein "Gretchen Goes To Nebraska" einen Namen gemacht. Dass es darüber noch neun weitere Studioalben der Groove Rocker gibt, ist an mir leider völlig vorbei gegangen. Asche auf mein Haupt! "Live All Over The Place" bietet weit über zwei Stunden unverfälschtes Live-Feeling, ohne Overdubs, ungeschliffen und roh. Die Aufnahmen stammen aus verschiedenen Phasen und Tourneen der vergangenen 15 Jahre, die Songauswahl? "Wir nahmen für das Album die Songs, mit den besten Vibes -  unabhängig davon, wie sie spielerisch dargeboten wurden", meint Doug Pinnick (Bass/Vocals) dazu. Das können sich natürlich nur Bands erlauben, die spielerisch über alles erhaben sind  - und Pinnick, Ty Tabor (Guitar/Vocals) und Jerry Gaskill (Drums/Vocals) sind bekanntermaßen keine Stümper. Dass die Jungs Mitte der 80er Jahre jedoch als ZZ TOP-Coverband angefangen haben, war auch mir unbekannt. Die technischen Daten: 25 Songs - davon insgesamt acht Akustikstücke - auf zwei CDs, 132:48 Minuten Spielzeit. Auch wenn "Live All Over The Place" die wichtigsten KING'S X Klassiker enthält, so ist sie doch weit davon entfernt, eine der üblichen "Live - Best Of"-Scheiben darzustellen. Denn oft genug gehen den drei freakigen Texanern mächtig die Pferde durch und die Bühne wird zum Improvisations-Theater. Das mag für unbedarfte Hörer schwierig zu ertragen sein, für KING'S X-Fans dürfte diese Schroffheit den Reiz an "All Over The Place" noch erhöhen. Und für die Fans ist die Scheibe schließlich gedacht. Außerdem: egal, was Tabor und Pinnick an ihren Instrumenten gerade anstellen - Mr. Gaskill liefert immer fettes "Bummtschack! Bummbummtschack!" dazu. Groove Rock vom Feinsten also. Und auch bei den Lyrics und Ansagen gibt es einiges zu entdecken, so z.B. beim genialen Akustik-Bonustrack "Over My Head" sowie bei "Believe". Pinnick's geniale Ansprache zur Lage der amerikanischen Nation in "Believe" ist für eine fette Gänsehaut gut. Dass Mr. Pinnick im zarten Alter von 54 (!) Jahren noch immer aussieht wie ein 20-jähriges Unterhosen-Model, empfinde ich jedoch (wenn ich so an mir heruntersehe) als persönliche Beleidigung...

Tracklist: 01 - Groove Machine 02 - Dogman 03 - Believe 04 - Little Bit Of Soul 05 - Complain 06 - Over My Head 07 - Manic Depression 08 - Black Like Sunday 09 - Finished 10 - Screamer 11 - Johnny 12 - The Difference (Acoustic) 13 - (Thinking And Wondering) What I'm Gonna Do (Acoustic) 14 - Mr. Evil (Acoustic) 15 - Mississippi Moon (Acoustic) 16 - Goldilox (Acoustic) 17 - Everybody Knows A Little Bit (Acoustic) 18 - A Box (Acoustic) 19 - Talk To You 20 - Visions 21 - Cigarettes 22 - Summerland 23 - We Were Born To Be Loved 24 - Moan Jam 25 - Over My Head (Acoustic Bonus Track)

Fazit: Trotz Bush: Texas groovt. Ohne Wertung   Uwe Harms

Review Januar 06: KING'S X - Ogre Tones - 2005 (13 Songs, 47:50 Minuten)

"Ein herrlich entspanntes Album" - wenn eine Plattenfirma diese Umschreibung für ein neues Album ihrer Schützlinge benutzt, dann kann das nur eines bedeuten. Nämlich, dass das Album scheiße ist, bestenfalls schnarchlangweilig. Im Falle des texanischen Trios KING'S X ist die Sachlage anders. Denn erstens stammt der o.g. Satz nicht von der Promo-Abteilung der Plattenfirma Inside Out Records. Und zweitens IST "Ogre Tones" ein herrlich entspanntes Album, und zwar im besten Sinne. Ein Album für die Tage, an denen du mit dir und der Welt zufrieden bist. Ein Album zum Lesen und Tee trinken. Eines, dass dir ein Dauergrinsen ins Gesicht zaubert. Ty Tabor (Gitarre, Gesang) meint dazu: "Ich glaube ganz ernsthaft, dass dies die beste Sache ist, die wir seit Jahren gemacht haben." Jau, Ty, das kann man so stehen lassen. Mitverantwortlich für die relaxte Atmosphäre, die das Material transportiert, dürfte auch der Aufnahmeort sein. "Wir haben mit Michael Wagner in seinem Anwesen in Nashville/Tennessee aufgenommen", gibt Tabor zu Protokoll, "Michael's Studio ist der idyllischste und wunderbarste Ort, an dem wir jemals ein Album aufgenommen haben." Diese Zufriedenheit hört man, denn "Ogre Tones" strahlt eine fast schon körperlich spürbare Wärme und Behaglichkeit aus. Das Songmaterial ist dagegen gewohnt vielschichtig: vom treibenden Rocker "Alone" über grandiose Groove Rock-Überflieger wie "Hurricane" oder "Freedom" bis hin zur hintergründigen Ballade "Honesty" fahren Ty Tabor, Doug Pinnick (Bass, Gesang) und Jerry Gaskill (Schlagzeug, Gesang) die ganze Palette ihrer Schaffenskraft auf. Und dann ist da ja auch noch der Über-Song "Bebop". Also, wen dieser Song nicht in einen Wackeldackel verwandelt, der ist taub. Oder tot. Habe ich schon den Grower "Mudd" erwähnt? Nicht? Müsst ihr euch anhören, hihi.. Insgesamt machen KING'S X auf ihrem achten Studio-Album alles richtig. Und dass diese Jungs auch live überzeugen können, ist nachzuhören auf dem 2004 erschienenen Silberling "Live All Over The Place". 20 Jahre nach ihrer Bandgründung macht diesem Trio in Sachen erdiger, groovender Rock niemand etwas vor. "Das ist aber kein Metal!" Mag sein, aber auch der härteste Metaller braucht doch ein Album für die stillen Stunden. Wenn Mama zu Besuch kommt.....

Fazit: Meditationsmusik für harte Rocker. Fette  8,5 von 10 Punkten   Uwe Harms

Review März 2005: KINO - Picture - 2005 (10 Songs, 54:57 Minuten)

KINO? Ziemlich merkwürdiger Name für 'ne Band, wie ich finde. Aber wenn der Inhalt stimmt, ist doch alles in Butter. Die Grundidee zur Bandgründung von KINO stammte vom Inside Out-Labelchef Thomas Waber, der ja schon eine Menge Bands sowohl aus dem Melodic Rock, als auch progressiv angehauchte Combos gesignt hat. Nun dachte sich der gute Mann, dass man diese beiden Musikstile doch auch gut in einer Band unterbringen könne. Somit machte er sich auf die Socken, und führte ausführliche Gespräche mit namhaften Leuten wie z.B. John Mitchell (THE URBANE/ARENA). Thomas dachte als Fan und stellte sich ein Projekt vor, welches so ähnlich klingen könnte wie eben THE URBANE, nur mit mehr Prog-Attitüde. Die Idee war geboren, nun suchte man noch nach versierten Musikern, die dieser Idee Leben einhauchen könnten. Gefunden hat man sie in Gestalt von John Beck (IT BITES, Keyboards), Chris Maitland (ex-PORCUPINE TREE, Drums), Pete Trewawas (MARILLION, ex-TRANSATLANTIC, Bass), und natürlich John Mitchell, der nicht nur seine Stimme beisteuert, sondern auch noch den elektronischen Sechssaiter zupft. KINO was born. Nachdem ich mir die Scheibe einige Male einverleibt habe, muss ich sagen, dass die Zielrichtung ziemlich gut eingehalten wurde. Melodic Rock mit Prog-Elementen. Mich erstaunt es jedoch ziemlich, dass eine Band, die so bunt zusammengewürfelt wurde, sich so gut als Einheit präsentiert. Wir haben es hier mit sehr versierten Musikern zu tun, aber jeder stellt sich in den Dienst der Band. Diese Scheibe bietet Platz für Soloauftritte von jedem Künstler, ohne jedoch aufdringlich zu wirken. Die zehn Songs bieten sowohl poppige Refrains als auch Melodiebögen, die den Körper in absolute Wohfühl-Stimmung versetzen. Dann werden aber auch immer wieder progressive Parts eingestreut, die das ganze Können der Musiker widerspiegeln. Aber alles wird sehr seicht und zurückhaltend vorgetragen, so dass wirklich niemals Hektik aufkommt. Hört euch mal den neun Minuten-Opener "Losers Day Parade" an. Poppige Refrains, fast schon metallische Gitarren, weiblicher Gastgesang, ausdehnende Orgelparts und ein sehr harmonischer Gesang veredeln dieses Stück, und machen es somit zum Atrium dieses Albums. Ganz großes KINO. Sowieso muss ich hier mal Goldkehlchen Mitchell ein dickes Lob aussprechen. Vor allem bei "Letting Go" haut er mich förmlich um. Seine Stimme wird hier mit einem Hall-Effekt unterstützt. Diese Zuhilfenahme gibt den ohnehin schon sehr ruhigen, fast hypnotischen Song eine unverwechselbare "Kuschelatmosphäre". Jetzt verdreht mal nicht die Augen, selbst Metaller lassen sich mal gerne treiben.... Und genau dieser Song bietet die perfekte Rahmenbedingung dafür. Mehr Songs möchte ich hier nicht hervorheben. Nicht alles gefällt. Zumindest meiner Meinung nach sind Songs wie "Perfekt Tense" ein bisschen zu harmlos ausgefallen, aber da ich mich auch nicht als Melodic-Rocker betrachte, sollte das niemanden abschrecken. Wenn ich Vergleiche ziehen sollte, würde mir als erstes ASIA einfallen. Da aber halt technisch orientierte Parts auch nicht zu kurz kommen, ist wohl auch ein wenig YES vertreten. Wer auf besagte Bands gut kann, wird hier genau richtig liegen. Aber ich vermute mal, dass auch im Normalo-Radiosender keiner die Frequenz wechseln würde. Da die Jungs schon angekündigt haben, die Songs gerne live supporten zu wollen und auch weitere Alben in Planung sind, kann man KINO schon als vollwertige Band betrachten. Wer sich dieses Album zulegen möchte, sollte auf die Special Edition zurückgreifen, da hier noch die besten Momente vom WDR Rockpalast-Gig mit Bild und Ton festgehalten wurden.

Fazit: Nettes Unterhaltungs-KINO  7,5 von 10 Punkten  Daniel Weßling

Review Juli 05: KIUAS - The Spirit Of Ukko - 2005 (8 Songs, 42:25 Minuten)

Eigentlich war es ja nur eine Frage der Zeit, bis sich eine finnische Band nach einem Sauna-Ofen benennt. Nun ist es soweit. KIUAS heißen nämlich in Finnland die Hitzequellen in den kleinen Schwitzkammern, in denen sich der Finne so gerne nackig macht. Ok, dann wollen wir mal die Badelatschen abstreifen - rein in die gute Stube! Als sich unsere Augen und Ohren an den wabernden Dampf gewöhnt haben, erkennen wir die anderen Saunagänger, die da einträchtig neben den Jungs von KIUAS unter dem Handtuch sitzen: es sind CHILDREN OF BODOM und ENSIFERUM. Doch nun kommt der Melodic Metal-Aufguss, die schwarzmetallische Kühle ist verflogen, und macht einer unbändigen Hitze Platz. Schnell raus hier, erst mal Luft holen! Nach der ersten Runde im Garten geht es wieder und wir haben uns an den bunten Stilmix gewöhnt. Heroischer Power Metal zwischen MAJESTY und THUNDERSTONE trifft auf ENSIFERUM- und COB-Schneekanonen. Und merkwürdigerweise funktioniert diese Mischung richtig gut! Sänger Ilja Jalkanen hat ein raues Organ, dass perfekt zur Musik passt, Mikko Salovaara (Guitars) und Atte Tanskanen (Keyboards) übernehmen die COB-Soundelemente und die Rhythmus-Abteilung Teemu Tuominen (Bass) und Markku Näreneva (Drums) legt ein absolut stabiles Fundament. Die handwerkliche Arbeit ist fehlerfrei, das Songwriting klappt auch schon sehr gut. Kaum zu glauben, dass "The Spirit Of Ukko" das Debüt der der im Jahr 2000 gegründeten Band sein soll, wie uns die Plattenfirma weismachen will. Und tatsächlich hat der Finnen-Fünfer bereits zwei EPs ("The Discipline of Steel", 2002 und "Born Into The Northern Lights", 2003 in Eigenregie sowie eine MCD ("Winter In June", 2003) über Rage Of Achilles Records auf den Markt geworfen, bevor der jetzige Plattenvertrag mit Spinefarm unterschrieben wurde. Potenzial, in Zukunft zu den Großen in der Branche zu gehören, ist auf jeden Fall reichlich vorhanden. Alle Songs bestechen durch Eingängigkeit und viel Gespür für gute Melodien, Ausfälle sind nicht zu verzeichnen. Obendrauf gibt es noch eine coole Coverversion, nämlich die Hymne aller Menschen mit Blähungen -  "On Winds Of Death We Ride" von MANOWAR! Wenn das nichts ist... Dicke acht Punkte!

Fazit: CHILDREN OF THUNDERSTONE. Coole Scheibe! 8 von 10 Punkten   Uwe Harms

Review Oktober 04: THE KNUTS - Der Förster vom Silberwald - 2004 (15 Lieder, 41:52 Minuten)

THE KNUTS? Meine Fresse, klingt das bescheuert... Wenn man so oder ähnlich denkt, haben die Jungs gewonnen. Denn es war oberstes Ziel der Band, einen möglichst blöden Namen zu finden. Seit gut 13 Jahren lärmen die Kerle aus Frankfurt/Oder nun schon durch die Botanik und sie sind nach zwei vorangegangenen Demos ("Painis" und "Palast der Winde") keinen Deut leiser oder gar ernster geworden. Allerdings musste der damalige Drummer die Band verlassen da, Zitat Infozettel: "...er nicht mehr Kacken konnte und irgendwann geplatzt ist..." Ersatz wurde natürlich schnell gefunden. Ihr seht also, mit was für Kaputten wir es hier zu tun haben. Im positiven Sinne, versteht sich. Bei allem Spaß in den Texten - frei nach dem Motto der Band, "Death Metal ist auch Fun" - und in der Musik, könnte es nämlich schnell passieren, dass man THE KNUTS abstempelt als weitere überflüssige, Wirhabenzwarspaßkönnenabernichts-Band. Und das wäre ein grober Fehler, denn was sich hier abspielt, ist ganz großes kompromissloses Death/Grind Tennis, nicht selten mit einer ordentlichen 90er Jahre-Florida Death Metal Schlagseite! Man höre und staune! Die fünf Fertigen sind absolute Könner an ihren Instrumenten und richtig gute Songs können sie auch noch schreiben. Der Sound, besonders der Schlagzeugsound ist oberligareif. Die Riffs knallen und drücken an allen Ecken und Kanten. Man vergisst fast, dass es sich um ein Demo handelt. Alles sehr professionell arrangiert. Die Vocals sind natürlich genretypisch im tiefsten Keller angesiedelt, wobei auch hier gerne mal variiert wird zwischen Growls, schönem Gegurgel oder völlig kranken Screams. Verstehen kann man die Texte natürlich größtenteils nicht, aber im cool gestalteten Booklet ist alles nachzulesen. Der Song "Vampira" zum Beispiel ist ein absolut geiler Death Metal Stampfer mit eingängigem Refrain und feinen Tempowechseln. Trotzdem kommt man nicht umhin, sich des öfteren kaputtzulachen, ob der völlig kranken Songtitel und Texte in den denselben. Kostprobe? Im folgenden, ebenfalls superben Song "Büffet la Muerte" geht es darum, wie alte Menschen sich am Büffet benehmen. Auszug aus dem Refrain: "Alte Menschen am Büffet - Tun sich gegenseitig weh - Wenn sie wie die Tiere zechen - Um sich dabei abzustechen" Alles klar? Noch besser, der Anfang in "Faustfick": "Lobet den Herrn - Denn er sieht es gern - Dass alle braven Christen - Ihre Frauen fisten" Muuuuhaaaarrr. Kult. Geschmacklos? Ich find's völlig okay. Aber wie gesagt; man sollte die Band wirklich nicht auf die Texte reduzieren. Man muss die Scheibe echt gehört haben, sonst glaubt man es wohl nicht. Ein Gespür für geile Coverversionen können THE KNUTS ebenfalls vorweisen. "Troops Of Doom" von SEPULTURA kann man nur als gelungen bezeichnen. Kommt zwar nicht an die Klasse des Originals ran, ist aber schön grindig umgesetzt. Den Vogel aber schießt "It's My Grind" ("It's My Life" von BON JOVI im Original) ab. Das Teil ist dermaßen genial, dass es einen umhaut! Auf der nächsten Party kommt mir nichts anderes mehr in die Tüte, bzw. in den Player. Der Song macht definitiv süchtig, wie die ganze Scheibe eigentlich. Eine total kranke Version von "The Lion Sleeps Tonight" ursprünglich von THE TOKENS, gibt es noch dazu. Ein weiterer absoluter Höhepunkt des Albums ist der bereits erwähnte Song "Faustfick". Das ist ganz große Death Metal Kunst. Mitreißende Riffs und Gitarrenläufe zuhauf und sogar melodische Soli. Unglaublicher Hammersong! Ich könnte ewig weiter schreiben, Textzitate einbauen und jeden Song hervorheben, denn Ausfälle gibt es überhaupt keine. Hier gibt es alles, was eine gute Death/Grind-Scheibe ausmacht. Songs wie das Titelstück "Der Förster vom Silberwald" versetzen mich auch nach unzähligen Durchläufen immer noch in ungläubiges Staunen. Bitte tut mir den Gefallen, hört genauer hin und lasst euch nicht von den grenzdebilen Texten oder Songtiteln abschrecken, auch wenn sie für den einen oder anderen lauten Lacher gut sind. Mir bleibt nur noch zu sagen: Für lächerliche fünf Euro Plus Porto kann man auf der gut gemachten Homepage das Teil ordern und für diejenigen, die sich immer noch unsicher sind, gibt es massig Höreindrücke in guter Soundqualität zum downloaden. Für Knüppelfreaks ist diese Scheibe ein absolutes Muss. Ausreden lasse ich nicht gelten. Beide Daumen hoch!

Fazit: Death Metal macht Spaß! Hammeralbum! Ich kann nicht anders:  9 von 10 Punkten Michael Jehles

Review September 06: KORPIKLAANI - Tales Along This Road - 2006 (10 Songs, 42:29 Minuten)

Lange Zeit standen die finnischen Folklore-Metaller KORPIKLAANI (was soviel heißt wie "Klan des Waldes") im Schatten ihrer Landsleute FINNTROLL. Doch das sollte sich spätestens jetzt, nach Veröffentlichung von "Tales Along This Road", ändern. Denn während FINNTROLL aus meiner Sicht ihren Zenit noch vor dem Abgang von Front-Troll Tapio Wilska überschritten hatten, werden KORPIKLAANI immer noch besser. Doch wir wollen auch den Unterschied zwischen den beiden Bands nicht außer Acht lassen: FINNTROLL wurden als Death Metal-Funprojekt mit Folklore-Einflüssen geboren, währen KORPIKLAANI als reine Folkloreband anfing (damals noch unter dem Namen SHAMAN) und erst nach und nach ihre Musik mit metallischen Zutaten anreicherte. Egal: Spätestens seit dem 2003er KORPIKLAANI-Werk "Spirit Of The Forest" wissen die Fans, wo der Folk-Frosch die Locken hat. Und so wird auch während der 42 Minuten von "Tales Along This Road" solange gefiedelt, gegrölt und geschunkelt, bis auch der letzte haarige Klötensack im Takt mithüpft. Die Songs im Schnelldurchlauf: "Happy Little Boozer" kann nach zehn Sekunden jeder Besoffene mitsingen. Ein Ohrwurm par excelence und der ideale Opener. "Vakir Auta". Hartes Riffing, ein treibender Rhythmus und ein eingängiger, mehrstimmiger Chorus. Alle tanzen! "Midsummer Night": Nicht ganz so zwingender Track, Zeit zum Verschnaufen. "Tuli Kokko": Der ungewöhnlichste Track des Albums, klingt wie eine Mischung aus TIMO RAUTIAINEN & TRIO NISKALAKAUS' Breitwandriffs, Mittelaltermusik und indianischer Folklore. Abgefahren, aber gut. "Spring Dance": Mitreißendes Instrumental, klasse! "You Are The One", ähem, "Under The Sun": beschwingtes Liebeslied, ist mir persönlich aber etwas zu kitschig. "Korpiklaani": Getragene Nummer mit hypnotischen Chorus, die Bandhymne ist neben dem Opener das absolute Highlight des Albums. "Rise" und "Kirki" sind zwei eher durchschnittliche, schnelle Humppa-Metal-Songs, die das Niveau etwas drücken, bevor der superbe Knaller "Hide Your Richess" uns wieder versöhnlich stimmt und wir wie selbstverständlich noch einmal die Play-Taste drücken. "Happy little, happy little, happy little boozer...."

Fazit: Geiler finnischer Humppa-Metal. 8 von 10 Punkten   Uwe Harms

Review April 04: KOTIPELTO - Coldness - 2004 (10 Songs, 42:25 Minuten)

Licht und Schatten liegen bisweilen eng beieinander. Für den finnischen Ausnahmesänger Timo Kotipelto jedenfalls hielten die letzten acht Monate eine Menge Schatten bereit: zuerst verließ ihn seine langjährige Herzensdame und dann musste er (nach einem heftigen Streit mit "Ober-Strato" Timo Tolkki) auch noch seine Band STRATOVARIUS verlassen. Was liegt da näher, sich auf seine Solo-Karriere zu konzentrieren und das nun obligate Album "Coldness" zu betiteln? Viele Alternativen (bzw. Angebote) scheint der gute Timo nicht gehabt zu haben, lässt er doch aktuell in jedem Interview verlauten, bei keiner anderen Combo als Sänger einsteigen zu wollen. Hm. Um nun aber die Solo-Karriere voranzutreiben, sind ausgedehnte Tourneen sehr wichtig, was Timo vor die nächste Hürde stellt. Mit der Mannschaft jedenfalls, die "Coldness" eingespielt hat, wird eine Tournee nicht machbar sein. Denn Janne Wirman (Keyboards, CHILDREN OF BODOM und WARMEN) und Michael Romeo (Gitarre, SYMPHONY X) sind mit ihren Hauptbands sowie diversen Studio-Jobs (u.a. hat Wirman die Keyboards auf dem MASTERPLAN-Debüt eingespielt) ziemlich ausgelastet. Zum anderen sind sie schlicht zu teuer, um sie für eine ausgedehnte Tour anzuheuern. KOTIPELTO bleibt also nichts anderes übrig, als sich für eine Tour eine andere Mannschaft zusammenzustellen oder sich wieder mit Tolkki zu vertragen und zu STRATOVARIUS zurückzukehren, haha. Genug der Vorrede, kommen wir zur Musik auf "Coldness". Dass KOTIPELTO auf seinem bisher zweiten Solo-Scheibchen (nach "Waiting For The Dawn", 2002) keinen amerikanischen Death Metal fabriziert, dürfte klar sein. Melodischer Power ("True") Metal der seine Nähe zu STRATOVARIUS nicht verleugnen kann, ist angesagt. Experimente? Überraschungen? Fehlanzeige. Das Songmaterial? Auch hier wieder Licht und Schatten. Auf der Haben-Seite stehen der treibende Opener "Seeds Of Sorrow", der extrem eingängige Hardrocker "Reasons" (erste Single-Auskopplung) sowie der Uptempo-Smasher "Can You Hear The Sound". Besonders bei letztgenanntem Song wird klar, dass die eigentlichen Stars auf diesem Album nicht die Songs sind, sondern die Gastmusiker. Romeo's und Wirman's kongeniale Solo-Duelle erst machen aus "Can You Hear The Sound" einen Hit. Beeindruckend. Soviel zur Haben-Seite. Allerdings ziehen sieben arg vorhersehbare Songs das Konto wieder tief in's Minus. Schnarchnummern wie "Snowbound" oder "Journey Back" klingen wie mit dem Songwriter-Lego-Baukasten zusammengestöpselt und werden nur von der grandiosen Leistung der Musiker vor dem Verriss bewahrt. Und so bleibt unter dem Strich ein eher durchwachsenes Album, dem mehr musikalische Experimente gut zu Gesicht gestanden hätten.

Fazit: Mehr Schatten als Licht.  6 von 10 Punkten   Uwe Harms

Review Juli 04: KRAGENS - Dying In A Desert - 2004 (12 Songs, 52:00 Minuten)

Die Geschichte dieser französischen Band: Ende 2000 von den beiden Gitarristen Cédric Sellier und Ludwig Laperche gegründet. Im Oktober 2001 gab's eine 4-Track-Promo, jetzt folgt mit "Dying In A Desert" das Full Length-Debüt. Die Musik? Das Infoblatt schwurbelt etwas von "powerfully effective heavy metal pieces, with a hint of trash and backed up by melodic or trash vocals and a virtuoso guitar solos". Ach so, ja dann.... Also Müll-Metal aufgebacken mit melodischem oder Müll-Gesang. Vor allem aber "oder". Hihi. Da die beiden Gitarristen die Musik im Alleingang geschrieben haben, verwundert es kaum, das hier eher die Fans der Saiten-Fraktion auf ihre Kosten kommen. Sellier und Laperche schütten ein wahres Füllhorn an erstklassigen Riffs und Soli aus, auch Bassist Denis Malek und Drummer Olivier Gavelle geben alles. Und Sänger Renault, ähh Renaud Espeche? Den hat man während der Studio-Aufnahmen in der angrenzenden Besenkammer "postiert" und von da aus versucht er, mit "melodischem oder Müll-Gesang" Akzente zu setzen. Leider ist der Zettel mit den Vocallines und den Texten unerreichbar bei den anderen im Studio. Also bleibt dem guten Renaud in seiner Besenkammer nichts anderes übrig, als zu brüllen, was ihm an Text-Fragmenten gerade so in den Sinn kommt. Nach zwei Liedern fallen ihm keine englischen Vokabeln mehr ein, weswegen das Stück "Kragens" unversehens mit einem deutschen Text versehen wird. Und welche deutschen Wörter fallen einem Franzosen spontan ein? Richtig: "Heil", "Gut" und "Krieg". Und weil alle das witzig finden, kommt das auch so in's Booklet: "Ein Krieg, ein Rohling, eine Träne, die Macht, der Zorn, der Hab, wir sind Konige. Heil Kragens, Heil das Gut, Heil Kragens, Heil das Gut" (aus dem Stück "Kragens"). Nee Kinners, wat ham wir gelacht.... So, genug gemeckert, trotz der angesprochenen Schwächen bei den Lyrics und der Produktion der Gesangsspuren gibt es eigentlich an "Dying In A Desert" nicht so viel auszusetzen. Der Großteil des Materials ist Power- / Thrash Metal und geht in Richtung early NEVERMORE oder ICED EARTH. Die Gitarren und auch die Drums sind ultrapräsent und wummern dir die Bücher aus`m Regal. Kompositorisch spielen KRAGENS zwar noch nicht in der gleichen Liga wie ihre offensichtlichen Vorbilder, auch musikalisch scheinen sie ihren Stil noch zu suchen, was die stilistische Bandbreite auf "Dying In A Desert" erklären dürfte, aber sie geben sich Mühe. Also Jungs: dranbleiben!

Fazit: Geile Gitarren-Arbeit, einige Schwächen beim Songwriting und bei der stilistischen Festlegung. Für ein Debüt jedoch sehr beachtlich.   6,5 von 10 Punkten  Uwe Harms

Review Dezember 04: KREATOR - Enemy Of God - 2005 (12 Songs, 52:62 Minuten)

Die letzte KREATOR-CD, die ich mir gekauft habe, war "Cause For Conflict" (1995). Dass die Band zwischenzeitlich Alben veröffentlichte, die nicht bei jedem Fan auf Gegenliebe stießen, habe ich daher nur am Rande mitbekommen. Außerdem bin ich seit jeher SODOM-Fan und konnte sowohl mit DESTRUCTION als auch mit KREATOR noch nie so richtig viel anfangen. Naja, ist halt Geschmackssache. Wie dem auch sei, der aktuelle Longplayer der deutschen Thrash-Legende, dürfte - zumindest ansatzweise - wieder jeden Jünger der Band zufrieden stellen. Schon der Opener "Enemy Of God" ist eine Thrash-Granate erster Güte mit typischen Mille-Gesang, Uptempo-Drumming und sogar einem SLAYER-Solo im Mittelteil. Auch an den folgenden Stücken ("Impossible Brutality", "Suicide Terrorist") gibt's nichts zu meckern. Mit "World Anarchy" wird im Anschluss Thrash Metal der ganz alten Schule geboten. Bis auf einen kurzen Akustik-Part mit cleanem Gesang im Mittelteil, kommt der Song ohne Schnörkel aus und geht voll auf die Glocke. "Dystopia" hingegen kommt etwas gebremster daher und sorgt für willkommene Abwechslung. Der Song lebt vor allem vom genialen Mittelteil, der einfach jeden Metaller zum bangen animieren muss. Danach geht es mit "Voices Of Death" richtig melodiös weiter. Der Song dürfte wohl so manchem KREATOR-Fan einiges an Toleranz abfordern. Das folgende "Murder Fantasies" rockt wie Sau und wird vor allem Live mächtig Spaß machen. Bei "When Death Takes It's Dominion" haben, zumindest ansatzweise, SLAYER Pate gestanden. Also auch hier Thrash Metal, wie er sein muss. Die letzten Stücke ("One Evil Comes (A Million Follow)", "Dying Race Apocalypse", "Under A Total Blackened Sky", "The Ancient Plague") sind alle recht melodiös und eher im Midtempo angesiedelt. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht auf voller Linie überzeugend. Da hätte man sich zum Schluss noch mal einen echten Kracher der Marke "World Anarchy" gewünscht.

Fazit: Beginnt vielversprechend, flacht aber zum Ende hin deutlich ab. Echte Fans sollten trotzdem ruhig mal reinhören. 7,5 von 10 Punkten Ali

Review: KRISIUN - Works of Carnage - 2003 (12 Songs, 30:01 Minuten)

Aus Brasilien kommen sie und sind DAS Aushängeschild für mächtig schnellen und kompromisslosen Death Metal aus Südamerika. Das neue Album der drei Brüder, Alex Camargo (Vocals/Bass), M. Kolesne (Gitarre) und Max Kolesne (Drums), wurde in ihrer Heimatstadt Sao Paulo unter dem kanadischen Produzenten Pierre Remillard in den Bebop Studios aufgenommen. Der Mann arbeitete auch schon mit CRYPTOPSY und vielen mehr zusammen. Seit zwölf Jahren gibt es die Band schon, und vier Alben plus einem Mini-Album später, ballert nun also "Works of Carnage" ins Gebälk. Wuchtig wuchtig, was da aus den Boxen donnert, kann man da nur sagen. Sauber und eben wuchtig. So sehr Alex Camargo auch growlt, so manches mal kann man sogar die Texte verstehen! Der Opener "Thorns of Heaven" beginnt mit einem kurzen Synthie-Intro, welches so klingt, als stamme es aus einem Science-Fiction Film, wo gerade ein Raumschiff startet oder landet und mit einer Laserkanone schießt....Nun gut, urplötzlich bricht dann ein ultraschnelles derbes Riffgewitter herein, wie ich`s lange nicht mehr in der Form gehört habe. Schöner (?) schneller Gesang, (natürlich gegrowlter, was anderes kommt hier auch nicht in die Tüte) an der richtigen Stelle platzierte Breaks und feinen fiependen Gitarrenläufen. Die sehr schnellen Doublebass-Attacken bei Thorns of Heaven" finden sich übrigens bis auf ganz wenige Ausnahmen auf der gesamten Albumlänge wieder! Eigentlich müsste der Drummer Max Kolesne Beine wie PauleseinBreitner haben... Vielleicht spielt er ja auch Fußball, was bei Brasilianern ja nie ganz ausgeschlossen werden kann... Ich schweife ab, was wohl auch daran liegt, dass mir das Album mittlerweile richtig viel Spaß bereitet, was bei den ersten Durchläufen noch nicht so ganz der Fall war. Etwas sperrig und wenig abwechslungsreich erschien es mir. Das relativiert sich aber ganz schnell beim andauernden Hören. Gutes Beispiel ist der Killersong "Murderer"; bis zum Exzess ausartende Breaks (Czelle, hör´s dir lieber nicht an), Blastspeed mit äußerst schnellem, aggressiven Gesang und einem eingängigem Refrain und ein so richtig Oldschool-mäßiges, fiependes Gitarrensolo! Anspieltipp! Überhaupt gibt es immer wieder eingestreute Soli, die von euren Hochtönern alles abverlangen. Als großen Einfluss gibt die Band VENOM an. Aber welche Death Metal-Band tut das nicht? Als wichtigstes Album nennen sie "Altars Of Madness" von MORBID ANGEL, was man auf jeden Fall an den Soli erkennen kann. "Scourged Centuries" ist ein kurzer, schneller Reißer, mit wahnwitzig schnell gespielten Gitarrenläufen. Ein Instumental-Stück gibt es mit "War Ritual", welches mit sägenden Gitarren beginnt, dann aber in einem Schlagzeugsolo ausartet. Danach gibt`s mit "Wolfen Tyranny" so richtig was in die Fresse! Ein alles zu Boden reißendes Killer-Riffing, ein moshender, alles plattwalzender, zum absoluten Durchdrehen animierender, nackenbrecherischer, megaschneller Anfang, (ich schreib mich grad in Rage) der dann in mächtig wutgeladene Raserei ausartet! Alex Camargo scheint dem Wahnsinn nahe! Und ein geiles Solo ist inklusive! Was für ein genialer Gitarrensound! Das sind Songs, bei denen ich Gänsehaut bekomme! Ganz großer Song! Und das in nicht mehr als drei Minuten! Highlight des Albums, sach' ich mal. Nach einem weiteren Instrumental namens "Shadows", welches eigentlich ein mit Keyboards untermaltes Gitarrensolo ist,  zollen KRISIUN ihren Göttern VENOM mit "In League with Satan" Tribut, was äußerst gelungen ist, da sie den Song nicht verwurstbratelt haben, sondern einfach nur ihre eigene aggressive Note reingebracht haben. Mal so als ganzes betrachtet, haben KRISIUN es geschafft, ein reines Death Metal Album einzukloppen, wo einem beim Hören ständig der Draht aus der Mütze fliegt, dank des absolut in der Oberklasse anzusiedelnden Riffings, den mitreißenden Solis, (was man ja beileibe nicht auf jeder Scheibe geboten bekommt), der sowieso gnadenlosen Härte und nicht zuletzt der sehr guten Produktion. Freunde des gepflegten Death Metal  können, oder müssen hier zugreifen! Trotzdem muss ich wieder mal über die viel zu kurze Spielzeit meckern, aber`s hilft eh nix. Gibt bei mir trotzdem Punktabzug.  Ach ja, das Outro klingt, als wäre das Raumschiff nun denn doch explodiert...

Fazit: Abzüglich kurzer Spielzeit: Hammeralbum! 8 von 10 Punkten Michael Jehles

Review Oktober 04 : KRISIUN - Bloodshed - 2004 (12 Tracks, 40:55 Minuten)

Das brasilianische Death Metal Highspeed-Trio ist wieder da! Bereits seit dreizehn Jahren und an der Bandbesetzung hat sich seitdem ebenso wenig geändert wie an der musikalischen Ausrichtung; schnell und brutal. Punkt. Die beiden Kolesne-Brüder (Moyses/Guitars und Max/Drums), verstärkt durch den Brüllwürfel Alex Camargo werden einen Teufel tun, sich von irgendwelchen dahergelaufenen Trends anstecken zu lassen. Und so kracht auch die mittlerweile fünfte Full Length Veröffentlichung gnadenlos durch's Gehölz und macht alles platt, was sich zufällig im Weg befindet. Aber, Moment. Ein bisschen Theorie muss nun doch noch sein. Acht neue Songs gibt "Bloodshed" zwar her, die restlichen vier sind von der inzwischen ziemlich rar gewordenen MCD "Unmerciful Order". Als da wären: "They Call Me Death", "Unmerciful Order", "Crosses Toward Hell" und "Infected Core". Da die Tracks der MCD nicht neu eingespielt wurden, haben sie im Vergleich zu den neuen Stücken somit natürlich erhebliche Defizite, was den Sound angeht. Aber irgendwie hat das auch Charme und man kann es sich noch sehr gut anhören. Waren doch noch um einiges brutaler als heute, die Burschen. Als letztes Stück fungiert ein Outro Namens "Outro / MMIV" und was das soll, meine Herren, weiß ich auch nicht. Gitarrengeschwurbel mit lauten Herzschlägen untermalt. Dazu steht auf dem Booklet, dass dieses Stück über sieben Minuten dauert. Dauert es auch, aber mit einer Schweigeminute, die drei Minuten dauert? Und danach fängt es genau wie vorher wieder an? Was haben die zu den Aufnahmen des Stückes wohl geraucht? Geschwurbel! Braucht keine Sau. Vergessen wir das und wenden uns den "richtigen" neuen Stücken zu. Denn da steckt KRISIUN drin, wie ich sie auf ihrem Vorgängeralbum "Works Of Carnage" kennen und lieben gelernt habe. Der Opener "Slain Fate" knallt völlig bandtypisch in die Rübe mit megaschnellen Bassläufen und den rasenden Bassdrums. Überhaupt, die Drums; seit jeher ein Markenzeichen der Brasilianer, der fast schon plakative, übermächtige Drumsound der einem den Mageninhalt - soweit vorhanden - ganz kräftig durcheinander wummert. Möchte mal wissen, wie oft Drummer Max schon Krämpfe in den Beinen bekommen hat, ob der ellenlangen Doublebassattacken. "Slain Fate" besitzt zudem einen eingängigen Refrain, welcher schön mitgegröhlt werden kann. Im nachfolgenden "Ominous" wird das Tempo noch ein wenig angezogen, so dass der Anfang des Songs eigentlich eine einzige Blastspeed-Passage darstellt. Geil! Abzüglich des wieder mal coolen Refrain's und der Bridge, bei der man das Moshen nicht mehr unterlassen kann, bleibt das auch so. In punkto Aggressivität wird bei "Servant Of Emptiness" noch eins draufgesetzt und so stellt sich für mich dieser Track als ein Highlight der Scheibe dar. Vergleichbar mit dem Killersong "Wolfen Tyranny" vom letzten Album "Works Of Carnage". Ganz, ganz mächtiges Killeriffing am Anfang, dann Gitarrenläufe, welche mich entfernt an die Götter von SUFFOCATION erinnern. Völlig kompromisslos auf's Maul, trifft's da wohl am besten. Danach folgt ein weiteres überflüssiges Intro, oder was weiß ich, was das sein soll. Zwei Minuten Gefiepe von der Sechsaitigen. Anschließend geht es Gott sei Dank wieder in bewährter Manier weiter. Hochgeschwindigkeits-Riffs wechseln sich mit abgefahren Soli ab, die sich gnadenlos in dein Gehirn schrauben und auch die Max´schen Blastorgien gibt es zuhauf ("Hateful Nature"). Dazu die abgrundtiefen Growls von Shouter Alex. Im Grunde genommen alles beim Alten im Hause KRISIUN. Der wesentliche Unterschied zu "Works Of Carnage" ist wohl der Sound insgesamt. Dieser kommt nämlich eine ganze Ecke rauher und ungeschliffener rüber. Das liegt wohl daran, dass "Bloodshed" quasi zu 100% analog aufgenommen wurde. Diesmal wählte man die "Tribo Studios", welche ebenfalls in KRISIUN's Heimatstadt Sao Paulo beheimatet sind. Der im Prinzip letzte neue Song auf der Scheibe, "Voodoo", steht seinen Vorgängern in nichts nach und strotzt auch vor unbändiger Energie und Aggression. Einzig die manchmal etwas verwirrenden schrägen Gitarrenläufe schlagen da ein bisschen aus der Art. Danach folgen "nur" noch die erwähnten alten Songs und das zwar neue, aber total überflüssige Outro. Wer allerdings meint, Alex würde heutzutage schon brutal Growlen, sollte sich diese alten, raren Songs mal genauer anhören... Hammerderbe das ganze. Positiv anzumerken wäre da noch, das die Scheibe zum fanfreundlichen Midprice in die Läden kommt. Ist auf jeden Fall fair. Lange Rede, kurzer Sinn: Wer die Mucke der Drei schon immer mochte, wird auch dieses mal nicht enttäuscht werden. Wo KRISIUN draufsteht ist auch KRISIUN drin. Nicht mehr und nicht weniger. Punktabzug gibt es für die zwei völlig blöden Intros und Outros. Anspieltipp: "Servant Of Emptiness"!

Fazit: Keine Überraschungen aus Sao Paulo, KRISIUN sind KRISIUN und werden es auch bleiben. Hoffentlich. 8 von 10 Punkten Michael Jehles

Review März 06: KRISIUN - AssassiNation - 2006 (12 Songs, 46:29 Minuten)

Ich gestehe, KRISIUN's Schaffen zwischen der "Conquerors Of Armageddon" (2000) und der Mini-CD "Bloodshed" (2004) nicht mehr wirklich verfolgt zu haben. Ihre Musikalität und ihr Können waren hier beileibe nicht der Ausschlag gebende Grund. Vielmehr war es die Monotonie ihres Songwritings, die mich nach gewisser Zeit mehr oder weniger langweilte. Mein Wunsch, das KRISIUN das Tempo ihrer Songs doch hin und wieder variieren mögen und sich nicht nur wie die Berserker durchs Gehölz knüppeln, scheint mittlerweile auch bis nach Brasilien vorgedrungen zu sein. Schon auf der "Bloodshed" kündigte sich an, dass sie sich weg vom reinen Geballer, hin zu mehr Groove bewegen würden. Diese leichte Änderung ihres Stils steht ihnen auch auf "AssissiNation" vorzüglich zu Gesicht. Sie sind anno 2006 bestimmt nicht ausgewimpt wie jetzt so manch enge Stirn vielleicht behaupten wird. Vielmehr haben sie durch den vermehrten Groove zusätzlich an Brutalität gewonnen und man kann die Songs nun auf Anhieb voneinander unterscheiden. Ein Unterfangen was mir früher schon arg schwer fiel. Killertracks wie "Vicious Wrath" oder "Bloodcraft" besitzen einen hohen Wiedererkennungswert und töten wirklich alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Neben den ganzen Stop-And-Blast-Parts auf "AssassiNation" kommt die Technik natürlich keineswegs zu kurz. Die Songs bieten genug Freiraum für wilde Riff-Salven und Shred-Attacken erster Güte. Stilmittel, die man von  KRISIUN bereits kennt. Nur erzielen sie durch die oben bereits erwähnte Abwechslung im Tempobereich einen wesentlich höheren Wirkungsgrad, als es auf früheren Alben der Fall war. Für die Produktion verantwortlich war des Moses' liebster Heiliger: Andy Classen. Er hat wieder mal einen hervorragenden Job abgeliefert und KRISIUN ein erstklassiges Soundgewand für ihr formidables Gewitter verpasst. Ein kleines Schmankerl der ganz besonderen Art liefern KRISIUN noch mit der Coverversion des MOTÖRHEAD-Songs "Sweet Revenge" ab und veredeln damit ein über die Maßen gelungenes Death Metal-Album, das ihnen weiterhin einen der vorderen Plätze im Kampf um den Todesthron bescheren dürfte.

Fazit: Brasiliens unheiligste Brüderschaft zeigt sich homogener denn je!  9 von 10 Punkten Gastrezensent: Ulf Bloem

Review Oktober 05: KRYOBURN - Enigmatic Existence - 2005 (11 Songs, 50:41 Minuten)

Nachdem FEAR FACTORY es geschafft haben, mit "Transgression" auf ganzer Linie zu enttäuschen, müssen Liebhaber brachialer Industrial-Brocken nach anderen Bands dieses Genres Ausschau halten. KRYOBURN aus New Mexico sind eine Band, die man ruhig mal beäugen sollte. Vor allem die Doublebass-Akrobatik von Drummer Chris Huber erinnert nicht selten an Raymond Herrera. Auch der klinische Drum-Sound lässt sofort Gedanken an gute alte FEAR FACTORY-Zeiten wach werden. Aber auch in Sachen Riffing ist die Band gar nicht so weit vom ANGSTFABRIK-Lager entfernt. Klar, das eine oder andere Riff erinnert schon extrem an die großen Vorbilder, was sich aber auch nicht vermeiden lässt, da beide Bands eher durch stumpfe Powerchords als durch Saitenhexerei á la Zakk Wylde glänzen. Und da sich auch die Fabrikarbeiter schon das eine oder andere Mal aus dem eigenen Fundus bedient haben, will ich KRYOBURN das an dieser Stelle nicht ankreiden. Was gibt's noch zu sagen? Wer den Gesang von Burton C. Bell mag, dürfte sich auch mit dem Gesang der beiden Gitarristen Todd Basher und Les Huber anfreunden. Lediglich einige clean gesungene Parts sind mir persönlich etwas zu schmalzig bzw. süßlich. Da wird einigen Songs doch ein wenig der Drive genommen. Im Großen und Ganzen ist "Enigmatic Existence" aber ein durchaus gelungenes Debüt. Da verzeiht man dann auch mal, dass die Band teilweise doch etwas zuviel bieten will. Soll heißen, einigen Songs hätte es nicht geschadet, hier und da mal 'nen Part nicht zu verwenden. Das soll dann aber auch der letzte Kritikpunkt gewesen sein. Zur recht mageren Vergabe von nur sieben Punkten möchte ich nur sagen, dass ich die letzten FEAR FACTORY-Scheiben auch nur noch gekauft habe, damit die Sammlung im Regal vollständig ist. Ist nicht mehr so ganz meine Musik.

Fazit: Kopfsockenträger-Musik!  7 von 10 Punkten  Ali