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Storys: Live - Reviews: P

Live Review des ROOT / NIFELHEIM / PAGAN RITES - Gigs am 26.03.2005 im Tantogården / Stockholm, Schweden

24 Stunden Metal

Setlist PAGAN RITES
Up The Pagans
Pagan Rites
Lord Of Fire
Desecration
Retriumph With Satan From Hell
Mark Of The Devil
Die, Priest, Die
Return To The Lake Of Fire
When Everything Is Gone
Hell No Longer Awaits
Pagan Metal
Bloodlust And Devastation

Gegen 10:00 Morgens hielt mich nichts mehr in meinem Bett, auch nicht die beiden Metal-Groupies, die ich am Abend vorher in einer Kneipe kennen gelernt hatte (Haha, NOT!), denn heute würde ich zum zweiten Mal in meinem Leben in den Genuss eines NIFELHEIM-Gigs kommen. Von ROOT und PAGAN RITES hatte ich vorher noch nie irgendwelche Songs gehört, so dass mein Hauptaugenmerk auf dem Auftritt der fünf Jungs von NIFELHEIM lag. Nach der üblichen Morgenprozedur (Brunchen, Duschen, Zähne putzen, Anziehen) fuhr ich dann mit der U-Bahn von meinem Zuhause im Westen von Stockholm in den Süden der Stadt (Fahrzeit: schlappe 50 Minuten) um mich mit ein paar Kumpels zum Vorglühen zu treffen.

Nach drei bis vier Stunden "Förfest" (zu deutsch "Vorfest", also ein nettes Beisammensein vor dem eigentlichen Hauptevent des Abends), während denen ich einige Hintergrundinformationen zu PAGAN RITES und ROOT bekam, zogen wir dann auch prompt zu spät los, weshalb wir die ersten beiden Songs des PAGAN RITES-Gigs verpassten. Als wir dann gegen kurz nach 20:00 drin waren, sahen wir einen energischen "Devil Lee Rot" (singender Frontmann von PAGAN RITES) der während des Gigs wie ein Derwisch von der einen Bühnenecke zur anderen sauste. Man merkt dem Mann (der schon seid den 80er Jahren in der schwedischen Underground-Metal-Szene aktiv ist) überhaupt nicht an, dass er sich vor ein paar Jahren noch tief im Drogensumpf befunden hat. Mittlerweile ist "Devil Lee Rot", der nebenbei auch ein nach ihm selbst benanntes Solo-Projekt hat, ganz weg von den Drogen. Die Musik von der westschwedischen Band PAGAN RITES, die sich vor einigen Jahren aus der Gruppe AUTOPSY TORMENT heraus bildete, kann man vielleicht am besten mit Old School-Black Metal (und hier reden wir von Black Metal á la VENOM, nicht z.B. DARKTHRONE o.ä.) beschreiben. Gitarre bei PAGAN RITES spielt übrigens ein Mädel mit dem hübschen Namen "Af Necrohell", die ihre Sache, genau wie "Devil Lee", "Venom" (Bass) und "Skellethor" (Drums) auch, sehr gut machte. Der einzige Wermutstropfen war, dass sich zum PAGAN RITES-Gig vor der Bühne nur ca. 50 Metaller eingefunden hatten.

Setlist NIFELHEIM
Unholy Death
Black Evil
The Bestial Avenger
Satanic Sacrifice
Gates Of Damnation
Deathstrike From Hell
Sodomizer
Demonic Evil
Possessed By Evil

Nach einer ca. halbstündigen Umbauphase, und dem hinzuströmen von Rund 150 weiteren Headbangern, durch welche das Konzert den offiziellen Stempel "Ausverkauft" bekam, waren dann NIFELHEIM an der Reihe. Vom Auftritt beim letztjährigen SWEDEN ROCK (wir berichteten) war beim Gig im Tantogården außer den beiden Gründungsmitgliedern "Hellbutcher" (Gesang) und "Tyrant" (Bass) noch Gitarrist "Battalion" mit von der Partie. Ich habe seit einiger Zeit email-Kontakt mit "Hellbutcher" er berichtete mir in den Monaten/Wochen vor dem Gig von den Problemen, einen Schlagzeuger zu finden, da der alte Schlagzeuger sich "in Luft aufgelöst habe". Das Problem wurde jedoch auf die bestmögliche Weise gelöst: Als (vorübergehenden) Ersatz für den alten Drummer sprang bei diesem Gig der superfähige Peter Stjärnvind von ENTOMBED (EX-MERCILESS, KRUX) ein. Peter, der beim Gig im Tantogården übrigens ein Sodom-T-Shirt trug, lernte die Songs im Handumdrehen, und ballerte beim Auftritt das Programm locker runter. Die NIFELHEIM-Formation komplettierte an diesem Abend der zweite Gitarrist "Warlord".

Setlist ROOT
Talking Bones
Endowment
Festival of Destruction
Rodaxx
Black Seal
Trygon
Heart of Darkness
Message
The Old Ones
Aposiopesis
Casilda's Song
Zjevení
7 Cerných Jezdcu
Upálení
Písen Pro Satana
Hrbitov
666

Auf der winzigen Bühne des Tantogården war leider kein Platz für die obligatorische Bühnendekoration von NIFELHEIM. Die Kerzenleuchter und der Kindersarg fehlten ebenso wie die Totenköpfe (bis auf zwei Exemplare, die auf den Gitarrenboxen platziert waren). Auch mussten die Fans auf die Pyroshow sowie das "von Fleischstücken beworfen werden" verzichten (ersteres wegen dem begrenzten Platz, letzteres wegen Auflagen vom Gesundheitsamt). Das machte aber nichts, denn somit konnte sich das Publikum auf das eigentlich wichtige konzentrieren: die Songs. Während des NIFELHEIM-Gigs war in den ersten Reihen die Hölle los. Die Band hat im schwedischen Metal-Underground eine treue und stetig wachsende Anhängerschar, was sich dann auch bei den Gigs bemerkbar macht. Der NIFELHEIM-Set wurde mit "Possessed By Evil" beendet, einem Song, den die Band, laut "Hellbutcher", seit 1994 weder live noch im Übungsraum gespielt hatte. Cool!

Um 22:00 herum schwangen sich dann die Jungs von der tschechischen Band ROOT auf die kleine Bühne des Tantogården. Die Band, die sich am Anfang ihrer Karriere dem Black Metal verschrieben hatte, komponiert heutzutage (symphonischen) Heavy Metal. Die ersten 75% Prozent des Rund zweistündigen Gigs der Band um den 50-jährigen legendären Sänger "Big Boss", waren dann auch Heavy-Metal-Songs welche mich, ehrlich gesagt, nicht vom Hocker rissen. Man muss aber trotzdem dieser Band großen Respekt zollen, einerseits für ihre Langlebigkeit (ROOT besteht seit 1987, d.h. die Band wurde schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs gegründet) und andererseits für ihre über 900 Gigs, die sie seit ihren Anfangstagen gespielt haben. Gegen Ende des Gigs wühlten ROOT dann aber noch einmal kräftig in der Nostalgie-Kiste und zauberten ein paar herrliche Black Metal-Songs (mit tschechischen Texten!) hervor. Das Publikum ging zu diesen Liedern noch mal richtig ab, und somit endete der ROOT-Gig dann in einem brachialen Old-School-Gelage, das den ersten, meiner Meinung nach etwas langweiligen Teil des Gigs, mehr als aufwog.

Nach dem Gig sprach ich noch ein wenig mit Erik ("Tyrant") und Pelle ("Hellbutcher") von NIFELHEIM. Als es dann gegen 02:00 Zeit wurde zu gehen, wurde ich von ihnen zu einem "Efterfest" (deutsche Übersetzung: siehe "Förfest", nur umgekehrt) beim Gitarristen "Battalion" eingeladen. Mehrere Taxis wurden für die Band, sowie einige Fans, bestellt und ab ging's zur Party. Es wurde noch eine recht lustige und feuchtfröhliche Nacht, bevor ich mich dann (nachdem fast alle anderen eingepennt waren) gegen 08:00 auf die Socken machte. Ich war dann um 08:30 zu Hause, stellte die Uhr auf Sommerzeit um (09:30), ging schlafen und träumte vom nächsten NIFELHEIM-Gig...

Für Radio Gehacktes: Martin Missy

Bilder von diesem Gig gibt es hier

Live Review des PENIS JUICE / UPPERCUT Gigs am 13.12.2002 im Jugendtreff Harsweg, Emden

Alarm im Darm

"Alarm im Darm" stand auf den Einladungen zum heutigen Event. Die meisten potentiellen Gäste haben dieses Motto heute Abend wohl zu ernst genommen und sind gleich auf ihrer Ferguson-Schüssel sitzen geblieben. Schade, so tummeln sich leider nur ca. 25 Nasen im Jugendtreff. Den Opener PENIS JUICE lasse ich reviewtechnisch heute mal außen vor, lest dazu bitte die Reviews vom EAR TERROR-Festival sowie vom "Grind Assault". Nur soviel: Es drehte sich alles um Körperflüssigkeiten....

Die Thrasher UPPERCUT sind seit 1997 aktiv, dem 2001er Release "Shroud Shifter" soll 2003 ein weiteres Thrash-Eisen folgen, im Moment feilt man im Proberaum noch an den Tracks. Aufmerksamen Lesern (und Hörern) von Radio Gehacktes könnte UPPERCUT ein Begriff sein, hinterließen sie doch mit ihrem Beitrag ("Dying Passion") zum feinen "THRASH TILL DEATH"-Sampler einen bleibenden Eindruck. Da ich die Tonträger der Braunschweiger nicht kenne, war ich gespannt, wie sich die Band heute schlagen würde und ob das restliche Material so stark ist, wie das oben erwähnte Stück. Die Band steigt mit "The Machine" in den Set ein, Fronterin Dani sorgt für Begeisterung bei den Testosteron-gesteuerten Metallern, eine sehr ansprechende Erscheinung mit blonden Haaren bis zum ..äh..Oberschenkel. "Hallo Emden, wir sind UPPERCUT aus Braunschweig", begrüßt Dani das Publikum. "Wir sind froh, das wir hier heil angekommen sind, bei dem Scheißwetter. Ist kalt hier bei euch im Norden! Genug gesabbelt, jetzt gibt`s "Hatred Insiiiide"! Die Band überzeugt durch aggressives Stage-Acting, auch wenn es, streng genommen, gar keine "Stage" im Jugendtreff gibt. Egal: Dani, Nico (guitar), Jan (bass) und Olaf (drums) geben auch ohne Bühne und bei spärlichem Publikum alles. Musikalisch gibt es technisch sehr versierten Old School Thrash zu hören, ich denke oft an die Wolfsburger PROTECTOR, aber das sieht wohl jeder anders. Besonders Saitenwizard Nico, der übrigens früher einmal in einer Band namens "NONVOKUHILA" gespielt hat, kann überzeugen. Danielas Stimme ist aus Tausenden herauszuhören: sie schwankt zwischen gutem, aber leider etwas drucklosen, tiefen Brüllen und hohen Schreien, gerade in den hohen Lagen ist Dani in ihrem Element. Wie das klingt? Stellt euch vor, ihr tretet einem Leoparden von hinten in die Eier, die Reaktion des Tieres wird von Dani trefflichst imitiert. Leider geht das Gros des Songmaterials ziemlich an mir vorbei, bei "Dying Passion" bin ich dann aber auch in Bewegung. Das absolute Highlight des Abends ist jedoch die Zugabe "Phobia". Selten habe ich eine Band erlebt, die diesen KREATOR-Classic so mitreißend umsetzen konnte. "Hab das Stück selbst ausgewählt" grinst Dani stolz. Beeindruckende Vorstellung, nur am Songwriting sollten UPPERCUT noch arbeiten, um in die Oberliga aufzusteigen.  Uwe Harms

Bilder von diesem Gig gibt es hier

Sehen und gesehen werden oder "Ich war da":  Aargoroth von TO KILL alias Jäschke, Der Ostfriesentroll, Trial vom Online Mag www.twierdza.de, Matze und Thommy von MEATKNIFE, Tom von FEARER.

Live Review: "Grind Assault" mit LA BAD TASTE / PENIS JUICE / MEATKNIFE und COHORT am 23.11.02 im JUZ Leer

Long live the Nachwuchs

Martin von MEATKNIFE lud zum "Grind Assault" in das JUZ Leer. 8 Euro für 4 Grind Bands, das geht voll in Ordnung. Im JUZ Leer tummelt sich überwiegend junges Publikum, anders als beim EAR TERROR vor drei Wochen, wo der Altersdurchschnitt mindestens 5 Jahre höher lag. Den Opener machen heute LA BAD TASTE aus Zeven. Als Intro hat man das Theme von "Saber Rider" gewählt, cool. Sechs Leute stehen da auf der Bühne, zwei Gitarristen, zwei Sänger, von denen einer die hohen Schreie übernimmt und der andere grunzt. Bassist Matthias bedient verletzungsbedingt heute den Camcorder, Aushilfsbasser Christoph steht für ihn auf der Bühne. LA BAD TASTE würzen ihren Grindcore mit diversen Zitaten aus der Film- und Fernsehgeschichte, so werden u.a. "Saber Rider", "Bonanza"  und einige andere Themes durch den Grind- Wolf gedreht. Auch das Riffing lässt den (älteren) Zuhörer an diverse Klassiker des Genres denken, die Musiker von LA BAD TASTE dürften jedoch in den Erscheinungsjahren von Klassikern wie "World Downfall", "Scum" oder "Purity Dilution" wohl eher dem Trröörrööö-Core von Benjamin Blümchen gelauscht haben. Sei's drum, der rhythmische und fast schon poppige "Pogo Grind" der Zevener lädt zum Hüpfen ein. Die Ansagen des dreadgelockten Sängers Jockel sind jedoch teilweise etwas befremdlich, jedenfalls wischt er jeden Verdacht, er würde Germanistik studieren, locker beiseite: "Ein verzinktes Arschloch is' halt besser beim Kacken, rostet nich' und so, ey" oder "Das nächste Lied handelt von Bauern in Amerika. Ihr kennt doch bestimmt die Cartwrights?" caused Stirnrunzeln bei mir, ey. Zum Abschluss gibt es noch eine Coverversion von DISCHARGE. Nette Band, das günstigste Merchandise: T-Shirts für 3,50 Euro, das dürfte der Preisknaller des Jahres sein. Das Demo "Grindnanza" könnt ihr für günstige 2 Euro bei Jarno bestellen.

Auch PENIS JUICE sind vor drei Wochen auf dem EAR TERROR-Festival mit Aushilfsbasser aufgetreten, heute ist die Band komplett. Natürlich dreht sich auch heute wieder (fast) alles um ein Thema: Körperflüssigkeiten. Stücke wie "Pipi" oder "A A" (Pipi Teil 2) lassen keine Fragen offen. "Dirty Hole" ist schon jetzt so etwas wie ein Klassiker, "Big Dry Elephant Cunt" oder "Knüppel auf'n Kopp", das auch genau so klingt, reißen zwar keinen mit, haben aber Unterhaltungswert. Wie auch überhaupt der ganze Gig der Band: Olli mit einrasiertem und gemalten Stierschädel auf der Brust, am Anfang noch mit Mantel und Zorro-Maske, Drummer Basti mit Schottenrock und Socke um das Gemächt, sowie Basser Manni mit Corpse Paint. Nur Gitarrist Andi sieht ganz "normal" aus. Olli gurgelt sich mit Hilfe des allmächtigen Pitchshifters durch's Programm (Kumpel André sagt bei solchen Sängern immer: "Holt den Mann aus dem Wasser!"), Basti liefert die hohen Schreie dazu. Bin mal gespannt, wie das Material auf  Tonträger klingt.

"Mien lüttje Lateern, ik heb di so geern....". MEATKNIFE aus Emden lassen sich feiern. Dass die Fans vor dem Gig der selbsternannten "Porno Grinder" heute Abend Martini-Gesänge anstimmen, ist aber kein gutes Omen: Am Anfang hört das Publikum von den beiden Shoutern Matze und Thommy nichts, Basser Chris ist so bedröhnt, dass er sich selbst und sein Instrument nicht hört, dafür wummert sein Bass aber bis nach Meppen. Mischer Jürgen verzweifelt zu mir: "Was soll ich machen? Die haben alles aufgerissen! Das ist die erste Band, die mit 1200 Watt Monitorsound nicht auskommt!" Nach 15 Minuten klingt dann aber doch alles so, wie es soll, die Party kann losgehen. MEATKNIFE-Gigs sind immer etwas besonderes, die Band um Matze, Thommy und Ali hat sich über die Jahre eine treue Fangemeinde erspielt. Mindestens ein Lied wird bei jedem Auftritt dem leider viel zu früh verstorbenen Bassisten und Gründungsmitglied Ralph Janssen gewidmet. Musikalisch huldigt man Bands wie GUT oder MORTICIAN. Als Matze "Dead Whore" ankündigt, fragt Sieler: "Wieso "Der Rohr?" Das heißt "Das Rohr"! MEATKNIFEs Band-Maskottchen Weddermann steigt bei "Tombstonesucker" in den Ring und übernimmt die Vocals, für Jäschke wird "Corporal Punishment" gespielt, der bedankt sich, in dem er auf die Bühne steigt und stolz sein "Bäuchlein" mit "OSTFRIESLAND"-Tattoo entblößt. Auch Basti von PENIS JUICE steigt auf die Bühne, lüftet seinen Schottenrock und entblößt sein Gesäß. Ali O. aus O. von der Band E.B.P. gibt vor der Bühne alles und auch der Rezensent hängt mit dem Kopf in der Box. Schönes Fest!

 Die Berliner COHORT sind seit 1996 aktiv, die aktuelle Veröffentlichung heißt "Zombie halb und halb". Vierzig Leute tummeln sich noch vor der Bühne, die Grinder aus der Hauptstadt haben es jedoch mit einem recht ausgepowerten Publikum zu tun, der Funke will nicht so recht überspringen. Das ändert sich jedoch mit zunehmender Spielzeit. Sänger E. Konroth kann nicht nur grunzen, er hat auch die hohen Schreie drauf. Wer als Grindcore-Fronter ohne Effekte wie Pitchshifter auskommt, kann kein schlechter Mensch sein. "Das nächste Stück heißt: "Nur noch ein blutiger Stumpf"". Ah ja. Ob die Jungs nur deutsche Texte verbraten, wie man aufgrund der Songtitel vermuten könnte? Ein Blick auf die Homepage bringt Klarheit: nein, auch englische Texte sind im Angebot, mein Liebling ist jedoch der deutsche Text zum Song "52". Textauszug: "Wie schön kann doch der Anblick sein - von perforierten Innereien". Verstehen kann ich heute Abend aber trotzdem kein Wort. Ist ja auch egal: je länger COHORT spielen, desto mehr geht das Publikum mit, am Ende gibt es mit "Blitzkrieg Bop" noch eine astreine Ramones-Coverversion, "Hey ho, let's go" habe ich auch noch nie von einer Grindcore-Combo gehört. Nach dieser musikalischen Verneigung verabschieden sich COHORT und alle wanken taub aus dem Saal. 

Sehen und gesehen werden oder "Ich war da": Joe D. Fister von EBOLA BEACH PARTY, alle Members von MORDRAK, Aargoroth von TO KILL, Trial vom Online Mag www.twierdza.de, Dirk Janssen von DESPONDENCY, Stefan Sieler von BITTER SILENCE.

Bilder vom "Grind Assault" gibt es hier                          Uwe Harms

Live Review des PAIN / SOILWORK / IN FLAMES Gigs am 12.10.02 im Podium in Hardenberg/NL

Where are those fucking Rockstars?

Das "Podium" in Hardenberg ist ein wirklich feiner Club mit einem fast 1000 Leute fassenden Innenraum und einer integrierten Disco. Die ist heute abgeriegelt, stattdessen ziert der Merchandise-Stand der heute aufspielenden Kapellen den Eingangsbereich der Zappelbude. Humane Preise, sowohl beim Entritt (15 € für 3 Bands) als auch beim Merchandise, 15 € für ein T-Shirt sowie 20 € für ein Longsleeve sind nicht zuviel verlangt. 

Als erstes steigen heute PAIN in den Ring. Peter Tägtren hat mit seinem Pop-Projekt in Skandinavien die Charts von hinten aufgerollt und wieder mal bewiesen, dass Metaller doch die besten Komponisten sind. Jedoch will der Funke live nicht so recht überspringen, der Elektro Pop animiert ein paar Reihen zum Hüpfen, das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, das PAIN heue Abend nicht so recht ins Billing passen. Nicht nur ich hätte mir die Jungs von DARK TRANQUILLITY als Support gewünscht. Peter ist es egal, schließlich sind wir in Holland, da gibt es für den Herrn der Augenringe schließlich alles, was das dunkle Herz begehrt. Der Träger des Horst Tappert Gedächtnis - Preises ist in der Lage, auch im bekifftesten Zustand noch eine professionelle Vorstellung hinzulegen. Trotzdem: mehr als ein Höflichkeitsapplaus mit HYPOCRISY-Bonus ist heute Abend nicht drin. 

SOILWORK steigen  mit "Black Star Deceiver" und "Follow the Hollow" in den Set ein und drücken von Anfang an eine ultrafette Soundwand in den Club, die Publikumsreaktionen tun ein übriges und zaubern den Jungs aus Helsingborg ein Dauergrinsen in die Gesichter. Einzig die Gesangsanlage von Björn "Speed" Strid zickt rum, so dass die clean gesungenen Passagen nicht rüberkommen. "Speed" bleibt davon unbeeindruckt, er hat sich in den letzten Jahren zum Vollblut-Fronter entwickelt und streut sogar ein paar HALFORD-Parodien ("Oh Yeahh...", "....you got another thing comin`") ein, während die beiden Gitarristen Ola Frenning und Peter Wichers die Riffs von "My Sharona" anstimmen. "Hey Hardenberg, are you ready for some neuken in de Keuken?". Hihi, netter Versuch. "As we speak", "Burial Flame", "Natural born Chaos", "Structure Divine", die Band hat jede Menge Hits im Gepäck und lässt nichts anbrennen. Allerdings lässt die Begeisterungsfähigkeit im Publikum jetzt deutlich nach, überhaupt ist das holländische Publikum merklich lethargischer als man das von deutschen Gigs gewohnt ist, muss wohl an den obligatorischen Rauchschwaden liegen ("Kiffen macht gleichgültig? Mir doch egal.."). Eines steht fest: SOILWORK sind eine geile Live-Band, das Songmaterial, das mich persönlich mehr begeistern kann als jenes vom Götheborger Headliner, spricht für sich. Zum Abschluss gibt's noch "The Flameout " und "Like an everage Stalker", dann ist nach 50 Minuten Schluss und die Zeit ist reif für das nächste Bier. 

Die Getränke-Versorgung ist dann auch eines der wenigen Kritikpunkte heute Abend: dass man im "Podium" mit sogenannten "Munten" bezahlt, geht ja noch in Ordnung. Dass eine dieser "Munten" 1,50 € kostet, auch. Dass man jedoch für eine "Munte" gerade mal ein halb volles 0,2 l Senfglas mit Bier bekommt, ist eine Frechheit. Trotzdem schafft es ein namentlich nicht genanntes Mitglied des Radio Gehacktes Teams, von diesen Mini-Portiönchen high zu werden. Nachdem wir im Backstage-Bereich mit unserem Ansinnen, ein kurzes Interview mit den Bands zu führen, an einem "etwas pingeligen" Tourmanager gescheitert sind, der wohl der Meinung ist, er habe die Interessen von METALLICA zu vertreten, skandiert unser Held vor dem Backstage Bereich "Where are those fuckin' Rock Stars?" sowie "Kirk, James, let me in!". Damit nicht genug: auch die Fotografin von Nuclear Blast aus Belgien wird von unserem Redaktions-Pitbull mit den Worten "So you got no Backstage Pass? Then you are not from Nuclear Blast! Ha!  I got you!  HA!" angefallen. Reife Leistung! A Propos reife Leistung: auch unser Vollzeit-Maniac Daniel ist ist heute Abend wieder dabei und fällt durch ausgiebiges Stagediven auf: sogar als bei IN FLAMES während des Gigs kurz Teile der PA ausfallen, ist unser Flummy in der Luft, was Anders Friden zu der Ansage: "Look at this guy! Without music!" veranlasst. Glückwunsch!

Lange Umbaupause nach SOILWORK, ein fast 20-minütiges Goth-Pop Intro, die Herren Rock Stars lassen sich Zeit. IN FLAMES sind sich ihrer Position offenbar bewusst und fahren das volle Programm auf: Drum Riser in 3 Metern Höhe, blinkende Sterne und IF-Logos im Backdrop. Dann erklingen Sirenen, das Licht geht aus, alles jubelt, es ertönt jedoch nur noch ein weiters Intro...gähn! Irgendwann bequemen sich Anders Friden, Jesper Strömblad & Co dann doch noch auf die Bühne, ganz in weiß gekleidet, und steigen mit "System" vom aktuellen Album "Reroute to remain" in den Set ein, dann gibt's "Pinball Map". "I feel like I'm in flames tonight" begrüßt Friden seine Fans. Auf die Ansage "This is the only Gig in the Netherlands", ertönen einige Buh-Rufe, Friden gibt zurück: "What are you complaining about? You are here! Maybe they picked you for tonight because you look best?" Ja, wahrscheinlich, du Schleimer, haha. An der spielerischen Leistung des Headliners gibt es nichts auszusetzen, der Sound ist eh` erheblich besser als bei SOILWORK und PAIN, schließlich haben IN FLAMES ihr eigenes Mischpult inklusive Tontechniker und PA, und so werden Klassiker wie "Episode 666", "Only for the Weak" und "Behind Space" mit einem sehr differenzierten und druckvollen Sound ins "Podium" geblasen. Kurzum: IN FLAMES machen heute alles richtig, nur die Tatsache, dass sie uns kein Interview geben wollten, beschert den Schweden natürlich Abzüge in der B-Note. Wird ihnen noch leid tun, haha. Nach knapp 80 Minuten geht mit "Colony" der Vorhang zu, Zugaben gibt es wieder mal keine. O-Ton Sieler: "Echte Rock Stars geben keine Zugaben!" Ach so? Hmm...               Uwe Harms  

Bilder von diesem Gig gibt es hier

P.S.: Ein kurzes Interview mit Peter Wichers, seines Zeichens Gitarrist und Hauptsongwriter bei SOILWORK, konnten wir dann doch noch führen: hier nachzulesen